Von der Herzoperation Silvester 2005 zum Marathon Oktober 2007
Dienstag, 30. Oktober 2012
Geschafft! Der 4. Marathon
Ich hatte schon vor ein paar Wochen beim Vorbereitungstraining gemerkt, daß es gut lief. Ich blieb konstant dabei, spulte mein Programm ab, und wenn etwas dazwischenkam, sorgte ich für adäquaten Ersatz. Ich war ja mit schlechten Voraussetzungen gestartet und mußte einiges aufholen, aber gegen Ende der Trainingsphase fühlte ich mich fit und gut trainiert.
Vor dem Marathon kamen natürlich die üblichen Zweifel, die Frage, warum ich mir das eigentlich antue, die kleinen Empfindlichkeiten an Knöchel, Rücken und sonstwo. Immer wieder auch Kreislaufprobleme, mit denen ich aber mittlerweile gelernt habe zu leben. Aber alles in allem war ich ziemlich sicher, daß ich keine Schwierigkeiten zu erwarten hatte. Jetzt mußte ich den Fehler vermeiden, den ich so oft gemacht habe: zu sicher sein, mich überschätzen, dabei zu schnell starten und am Ende abzufallen.
Dafür habe ich mir eine Strategie ausgedacht, die eigentlich ganz gut war, aber auch etwas ehrgeizig: ich habe mir vorgenommen, mit negativem Split zu laufen, d.h. die zweite Hälfte schneller als die erste. Dazu habe ich jeden einzelnen Kilometer als Intervall auf meiner Uhr eingestellt, mit jeweils 5 Sekunden Spiel: die ersten 21 km in 5:30 minkm (also: 5:28 - 5:32), danach jeweils 5 Sekunden weniger für 5 Kilometer, also km 22-26 mit 5:25, 27-31 mit 5:20, usw. Für die letzten 5 km bedeutete das eine Pace von 5:00 min/km, was zwar nicht übermäßig schnell ist, aber am Ende eines Marathons doch ziemlich anspruchsvoll.
Durch diese Strategie wollte ich zwei Dinge erreichen: erstens, ich konnte mich auf die Uhr verlassen, ich mußte gar nicht befürchten, mich von der Stimmung mitreißen zu lassen: ein Blick auf die Uhr sagte mir, ob ich zu schnell oder zu langsam war. Zweitens, die anspruchsvolle zweite Hälfte nötigte mir den Respekt ab, den ich brauchte um nicht vorher doch schneller zu werden und mein Pulver zu verschießen.
Ich startete doch mit etwas Hektik: erstens waren die Bahnen sehr voll, so daß wir ein bißchen später ankamen, dann mußte ich noch auf Toilette, was mit großen Wartezeiten verbunden war. Daher verpaßte ich Heiko, mit dem ich mich locker verabredet hatte; er hatte einen ähnlichen Trainingsplan und war ungefähr auf dem gleichen Trainingsstand. Wir wollten zusammen laufen, wenigstens den Anfang, und sehen, wie sich dann alles ergab - leider habe ich ihn in der Menschenmenge nicht mehr getroffen. Dafür gleich am Anfang Heidi Schmitt, die eine tolle Arbeit mit ihren pinken Puscheln machte und unermüdlich bis zum bitteren Ende blieb :) Ich lief mein Tempo, traf unterwegs noch auf Markus und Anja Schubath (er unverkennbar in seinem froschgrünen Trikot!) und genoß den Lauf.
Bis zum Halbmarathon sollte ich gleichmäßig laufen, was einigermaßen ging: planmäßig sollte ich den HM nach 1:56:01 passieren, ich erreichte ihn in 1:56:21, also sozusagen eine Sekunde langsamer pro Kilometer. Aber jetzt hieß es eh gleich ein bißchen schneller werden. Es stellte sich heraus, daß mir die Strategie nicht viel half: ich mußte ständig mein Tempo kontrollieren, und an einer Stelle fiel die GPS-Messung aus, so daß ich nach Gefühl laufen mußte und prompt viel zu schnell wurde. Außerdem waren die Trinkpausen gar nicht mit einberechnet, so daß ich das unbeschwerte Gefühl der ersten Hälfte verlor.
Ich ließ ab km 35 also den Plan fallen und versuchte nun gleichmäßig zu laufen und Spaß zu haben. Das ging erstaunlich gut, ich konnte schwätzen, ich machte eine Dehnpause (mein rechter Oberschenkel, wo ich den Muskelfaserriß hatte, fing an zu zwicken) und nahm Gels (drei Stück insgesamt, das war wirklich super organisiert: an km 25, 30 und 35 gab es an den Verpflegungsstellen auch Gels). An km 36 traf ich noch Nicola, die mich mittels Runtastic gefunden hatte, dann grüßte ich wieder die unermüdliche Heidi Schmitt und lief die letzte Runde durch die Innenstadt. Am Ende konnte ich noch etwas Gas geben, ich überholte einige Läufer und dann war sie da, die letzte Kurve vor der Festhalle. Ich kam völlig happy ins Ziel, mit einem Grinsen im Gesicht und gar nicht so ausgepowert, wie ich das bei den drei anderen Marathons gewesen war.
Ein toller Lauf! So müßte das immer sein: ich schaffte endlich die 4 Stunden (3:54:25), ich konnte die Zeit während des Laufs genießen, und am Ende ging es mir gut. Ich glaube, die Bilder vom Zieleinlauf zeigen mich mitten im Runner´s High :)
Heute habe ich meinem Kardiologen über seine Sekretärin die Ergebnisse gemailt und mich bei ihm bedankt. Es war nicht zuletzt auch seine gute Betreuung, die mir den Marathon ermöglicht hat; Mitte des Jahres hätte ich daran gar nicht geglaubt.
Sonntag, 16. September 2012
Halbzeit
Als ich damit anfing, konnte ich gerade so mit den vorgegebenen Zeiten mithalten. Die schnellen Einheiten brachten mich aus der Puste, bei den langen fiel es mir schwer, die Zeit durchzuhalten, und die Intervalle fand ich unglaublich hart. Auch die Häufigkeit der Einheiten war mir ziemlich anstrengend, es waren 4 oder manchmal sogar 5 Trainings pro Woche - das zehrte.
Ich biß mich aber durch blieb dran und versuchte, mich zu steigern. Langsam, aber sicher wurde das besser: wenn im Plan ein Tempobereich angegeben wurde, hielt ich mich an die obere Grenze, die langen Läufe verlängerte ich, weil ich das Gefühl habe, daß mir das im letzten Jahr gefehlt hat. Und ja, es wurde tatsächlich besser: entweder ich schaffte relativ locker bessere Zeiten, oder ich lief die gleichen Zeiten wie am Anfang, aber bei deutlich niedrigerer Herzfrequenz. Dazu half sicher auch, daß mein Gewicht langsam runter ging: ich wiege heute, 6 Wochen vor dem Marathon, weniger als letztes Jahr beim Marathon.
Nach 8 Wochen wollte ich entscheiden, ob ich den Trainingsplan weiter mit dem 4-Stunden-Ziel verfolgen sollte. Ich bin jetzt, nach 6 Wochen, schon überzeugt, daß ich zumindest den Trainingsplan problemlos abschließen kann. Ob die 4 Stunden dann drin sind, ist eine andere Frage. Aber wenn ich mit letztem Jahr vergleiche, dann kann ich schon sagen, daß ich jetzt fitter bin als damals zum vergleichbaren Zeitpunkt.
Das Medikament vertrage ich sehr gut. Abgesehen von ein paar Kreislaufproblemen (einen ziemlichen Zusammenbruch hatte ich letzte Woche), die ich in ähnlicher Form schon immer hatte und wahrscheinlich lange noch haben werde, geht es mir prächtig. Dummerweise steht es auf einer Liste wirtschaftlich fragwürdiger Medikamente (es ist ziemlich neu und daher teuer, weil es noch keine Nachahmerpräparate auf dem Markt gibt), so daß mein Hausarzt es mir nicht verschreiben will und angeblich auch nicht darf. Ich darf mich also alle paar Wochen für das Rezept an die Uniklinik wenden.
Zum Abschluß der 6. Woche bin ich heute den Hugenottenlauf mitgelaufen, ein Halbmarathon mit schöner Streckenführung durch den Wald. Aus den letzten Tempoeinheiten, die ich im Training gelaufen war, hatte ich das dumpfe Gefühl, daß ich meine Bestzeit vom letzten Jahr nicht annähernd erreichen könnte: das war eine 1:45:40 gewesen. Das bedeutete einen Schnitt von unter 5 min/km, und das kam mir nicht machbar vor. Trotzdem lief ich zügig los, merkte bald, daß ich zu schnell war, aber versuchte trotzdem, das Tempo zu halten. Das ging ganz gut; zwar konnte ich die letzten 5 bis 6 km nicht mehr so schnell laufen, aber ich hatte schon genug Vorsprung angesammelt: ich schaffte die Strecke heute mit einer neuen Bestzeit von 1:44:27.
Sonntag, 12. August 2012
Besserung in Sicht
Wir besprachen das weitere Vorgehen (Medikation natürlich beibehalten, Kontrollen halbjährlich). Ich erzählte von meinen Marathonplänen, und er war etwas irritiert, daß das jemand gerne machen möchte, meinte aber: Wenn Ihnen der Kram soviel Spaß macht, warum nicht! Solange Sie den Marathon nicht unter 3 Stunden laufen, dürfte das kein Problem sein. Ich versicherte ihm, das sei bei mir nicht zu befürchten. Ich bekam die Warnung mitgegeben, daß die chronotrope Inkompetenz ja auch unter dem neuen Medikament auftreten werde, weil es seiner Bestimmung nach die höheren Herzfrequenzbereiche unterdrückt - ich laufe sozusagen mit einer Motordrosselung. Ein bißchen Atemnot wird also schon mal auftreten, aber ich soll mich davon nicht erschrecken lassen.
Sehr fein! Ich hatte ja vorsorglich schon mit dem Trainingsplan begonnen, und die Wochen davor konnte ich mich langsam an die Umfänge herantasten, die mir mein Plan vorgibt. Es ist einer der Pläne von Jens Karraß, der sie auf der Achim-Achilles-Website veröffentlicht hatte; die gibt es dort leider nicht mehr, seitdem sich die beiden verkracht haben. Aber mit meinem hatte ich mich letztes Jahr für den Köln-Marathon vorbereitet, und ich denke, der wird es schon tun. Es ist ein 4-Stunden-Plan, aber ich weiß noch nicht, ob ich das so angehen werde. Ich werde versuchen, den Plan umzusetzen, und nach etwa 8 Wochen werde ich es wissen.
Der Plan hat es erst mal in sich. Nach dem ersten Tag (Pause) war gleich ein Tempodauerlauf dran, und ich hatte richtig dran zu knabbern. Danach gab es zwei ruhige Einheiten, eine kurze und eine längere. Nach einer Pause sollte ein kleines Intervalltraining drankommen und heute etwa 20 km Dauerlauf. Aus organisatorischen Gründen habe ich den langen Lauf schon gestern gemacht und dafür die Intervalle heute.
Das war aus drei Gründen nicht so gut: erstens, aus den 20 km wurden 25, weil ich mit den Jungs vom #twitterlauftreff unterwegs war. Zweitens, es ist wohl besser, eine schnelle Einheit gefolgt von einer langsamen langen zu machen, als umgekehrt - der lange Lauf steckte mir heute schon in den Beinen. Und drittens: das Wetter heute war eher weniger geeignet. Leider konnte ich nicht früh los (ich mußte unbedingt ausschlafen, nachdem ich meine Tochter gestern mitten in der Nacht am Flughafen Frankfurt-Hanh abholen mußte), und heute Abend wollten wir essen gehen. Also doch mitten am Tag.
Alles in allem war das trotzdem erfolgreich. Die vorgegebenen 3 Intervalle habe ich fast so schnell wie vorgegeben machen können. Insgesamt habe ich fast 72 km in dieser Woche geschafft, ich bin ganz stolz, und auch gleichzeitig froh, daß morgen wieder Pausentag ist. Und diese Woche wird auch nicht soviel gerannt!
Montag, 6. August 2012
Kleiner Schuhvergleich
Angefangen hatte das schon im letzten Jahr. Damals erzählte mir meine Freundin, die erklärte Natural-Running-Anhängerin ist, daß sie Beachwalkers für den Lauf-ABC benutzte, eine superminimalistische Konstruktion, bestehend aus einer dünnen Gummisohle und etwas Neopren für den Halt - im Prinzip ja schon barfuß, nur mit dem Schutz des Gummis gegen scharfe Kanten, Scherben oder Steine, die sich evtl. auf dem Boden befinden. Die sehen nicht aus wie Laufschuhe und sind eigentlich als Badeschuhe für den Strand o.ä. vorgesehen.
Ich hörte ihr damals nicht richtig zu, weil ich nicht wirklich auf der Suche war, willigte aber ein, die mal kurz anzuprobieren. Im Frankfurter Laufshop waren sie auch vorrätig, und da sie wenig Geld kosten, habe ich sie mir besorgt. In der Folgezeit las ich immer wieder darüber, wie vorteilhaft es sei, ab und zu barfuß zu laufen, also beschloß ich, es mal zu testen. Ich zog also die Dinger an und lief damit meine gewohnte 10-km-Strecke.
Es war ein ganz eigenartiges Gefühl. Ich merkte, daß ich ganz anders lief. Zunächst einmal spürte ich jede kleinste Bodenunebenheit, jeden Stein, einfach alles. Dadurch war ich gar nicht entspannt, sondern mußte hochkonzentriert laufen, quasi jeden Schritt mit Bedacht vor den anderen setzen. Es ergab sich fast automatisch, daß ich mit dem Vorderfuß lief, weil alles andere einfach weh tat: mit der Ferse aufkommen war gar sehr unangenehm, nur der Vorderfuß schien die Kraft zu haben, die Schritte abzufedern. Dadurch wurde auch die Schrittlänge kürzer, und ich lief fast automatisch etwas schneller.
Das böse Erwachen kam kurz nach dem Lauf und vor allem am Tag danach. Meine Güte hatte ich einen Muskelkater! Und zwar waren beide Waden, vor allem der untere Teil, total überreizt und taten richtig weh. Offensichtlich hatte ich es mit der Belastung übertrieben. Erst da beschäftigte ich mich mehr mit dem Thema Barfußlaufen und erfuhr, daß man sehr langsam damit anfangen muß, die Strecke sollte maximal 2 km lang sein. Nun gut. Ich brauchte einige Tage, um mich davon zu erholen, und verspürte nicht unbedingt das Bedürfnis, das weiter zu vertiefen.
Nach und nach las ich doch mehr über das Thema. Spätestens nach dem wunderbaren Buch "Born to Run" von Christopher McDougall wollte ich unbedingt barfuß laufen. Ich startete wieder mit den Beachwalkers, wechselte aber häufig die Schuhe, um die Fußmuskulatur nicht auf einen bestimmten Schuh(-typ) einzustellen. Mittlerweile ist es so, daß ich mit den Beachwalkers problemlos 10 bis 12 km laufen kann, und ich meine, das hat mir viel gebracht. Das Problem ist nur, daß ich meine alten Neutralschuhe mittlerweile als zu weich empfinde. Also habe ich in letzter Zeit einige Schuhe ausprobiert.
1. Nike Free 3 ("Old Style")
Diese Schuhe habe ich schon früher sehr gern getragen, allerdings selten zum Laufen. Wie auch etliche andere habe ich sie von meiner Freundin bekommen, die sie für sich gekauft hatte und damit nicht klar kam. Nach meinen Barfußversuchen ist dieser Schuh zu meinem Liebling mutiert, er ist bequem, er ist vorne breit, so daß ich keine Druckstellen bekomme, er ist leicht, und er ist, trotz seiner dünnen Sohle, relativ weich. Mit dem laufe ich gern bis zu 20 km, wobei ich die Waden danach schon spüre.
"Old Style" übrigens deswegen, weil Nike mittlerweile neuere Versionen davon entwickelt hat. Jedesmal, wenn ich damit bei einem Laden aufkreuze, werde ich milde belächelt: Ach, sie haben ja noch den Free Old Style!
2. Nike Free Run +3
Diesen habe ich beim mycityrun probieren dürfen. Der Frankfurter Laufshop sponsert da mit und hat meist einige Paare da, die man anprobieren darf. Ich war davon überzeugt, daß dieser Schuh mir genauso gut gefallen würde wie mein alter, allerdings: er ist vorne etwas schmaler (oder mein alter Schuh ist ausgeleiert, kann auch sein!), und ich bekam eine leichte Druckstelle jeweils am kleinen Zeh. Ansonsten ein sehr schöner, leichter, Bodenkontakt vermittelnder Minimalschuh.
3. Brooks Pure Cadence
Dieser Schuh gehört zum Pure Project, einer Minimalschuh-Reihe von Brooks. Ich habe den mir von meiner Freundin ausgeliehen, habe also die Damenversion getestet. Macht nichts, denn ich habe kleine und schmale Füße, quasi Damenfüße. Der Cadence ist, wenn ich das richtig verstehe, das Einstiegsmodell, also sozusagen der am wenigsten "Pure" der Pure-Reihe. Ich fand den sehr angenehm zu tragen, allerdings war der vom Gefühl her schon weiter weg vom Boden, man spürte nicht "alles", sondern nur "einiges". Ich hatte auch hier ein paar Druckstellen vorne, womöglich hätte die Männervariante doch besser zu mir gepaßt.
Dazu kam aber das NavBand, eine unterstützende Verstärkung über den Spann. Mir hat sie nicht so gut gefallen, und ich konnte gut nachvollziehen, daß man auf die Idee kommt, dieses Band zu entfernen.
Nach zweimal 12 und einmal 17 Kilometern würde ich sagen: OK, aber unbedingt haben müßte ich den Schuh nicht.
4. Nike LunarGlide+ 4
Den Schuh habe ich auch beim mycityrun getestet (ehrlicherweise muß ich sagen, ich weiß gar nicht, ob ich die Premium oder die Normalvariante hatte, aber soviel ich weiß, unterscheiden sie sich nur optisch voneinander). Er wird ja als besonders weich und flexibel gepriesen, und das war er auch. Ich fühlte mich damit aber nicht wohl: ich hatte eher das Gefühl, daß ich bei jedem Schritt in den Schuh versinke, also sozusagen gegen den Schuh arbeiten muß, um ordentlich voranzukommen. Darüber hinaus störte mich eine etwas ausgeprägte Pronationsstütze, und zwar so, daß ich eine dicke Blase davon bekam. Gut: an dem Tag hatte ich keine Laufsocken mit und lief deswegen barfuß in dem Schuh. Fazit trotzdem: nichts für mich!
5. Saucony ProGrid Jazz 13
Mein Lieblingsschuh, bevor ich mit dem Nike Free anfinig. Auch heute noch sehr angenehm zu tragen. Das ist für mich ein Neutralschuh im besten Sinn: ich kann ihn anziehen und gleich vergessen. Ich laufe und laufe und laufe, und das immer gern. Den Köln Marathon im letzten jahr habe ich damit erfolgreich gefinisht.
6. New Balance MR751
Das ist mein altgedienter Neutralschuh. Bevor ich mir den Jazz kaufte, habe ich gedacht, es gibt nichts Angenehmeres. Auch der ein Schuh zum Anziehen und vergessen, wobei er durch seine Form ein bißchen dazu verleitet, etwas schneller zu laufen. Nicht immer ist das erwünscht, aber ich trage ihn heute noch gern bei 10-km-Wettkämpfen. Der hat schon über 800 km auf dem Buckel, und ich dachte, er wäre fällig, aber als ich ihn im Laufladen vorgeführt habe, meinte der Verkäufer, er sei noch gut. Großes Lob dafür an die Jungs vom Frankfurter Laufshop, denn sie hätten mir kommentarlos einen anderen verkaufen können.
Diesen Schuh trage ich nur noch selten.
7. Brooks Ghost 4
Auch den habe ich mir von meiner Freundin ausgeliehen. Ich habe ihn nur für einen 12-km-Lauf getragen. Auch hier fiel mir die Pronationsstütze negativ auf. Der Schuh war ansonsten angenehm weich und relativ leicht. Dennoch kein Schuh, den ich unbedingt haben müßte.
8. Inov Road-X 238
Auch diesen Schuh habe ich von meiner Freundin geerbt, daher die Damengröße. Der Schuh war für sie untragbar, und auch mir zeigte er sich sehr, sehr gewöhnungsbedürftig. Ich habe ihn schlicht nicht verstanden. Er ist sehr hart, wenn man auf Asphalt läuft (das tue ich meistens), dabei ist die dünne Sohle so hart, daß man den Untergrund nicht direkt spürt. Auch er verleitet eher zu einem schnellen Lauf, allerdings ist das anstrengend. Angenehm ist hier der breite Vorderteil, so daß meine Zehen viel Platz haben, sich zu spreizen.
Diesen Schuh trage ich fast nie.
Bei Runner´s Point in Offenbach durfte ich kurz jeweils den Saucony Kinvara 2 und den Brooks Pure Connect anziehen. Beide gefielen mir sehr gut, wobei ich dem Kinvara (vielleicht wegen meines Jazz 13 vom gleichen Hersteller) wahrscheinlich den Vorzug geben würde. Beide waren sehr angenehm zu tragen, beide machten mir den Eindruck, schnelle Schuhe zu sein, und beide waren mir leider zu teuer. Da ich nicht die Möglichkeit hatte, mit ihnen richtig laufen zu gehen, kann ich nicht mehr darüber sagen.
Das Fazit meines Tests: momentan habe ich noch nicht den optimalen Schuh gefunden. Ich bin selbst auf der Wechselphase vom Neutralschuh- zum Minimalschuhläufer, so daß ich noch nicht sagen kann, welcher Schuh mir am besten paßt. Es macht nichts, denn ich denke, der häufige Schuhwechsel ist sicher gut für meine Füße. Über kurz oder lang werde ich bei den leichten landen, wobei es da ja auch noch andere Hersteller gibt.
Sonntag, 22. Juli 2012
Langsam wird es wieder
Die Eingewöhnungsphase ist mittlerweile vorbei, so dass ich ein erstes Fazit ziehen kann. Die Bilanz ist positiv: im Moment kann ich ganz gut laufen, das Herz schlägt also höher bei Belastung, und ich bin nicht mehr so kurzatmig. Es gibt ein paar Kleinigkeiten noch, die vielleicht verschwinden werden, aber doch stören: erstens bin ich ewig müde, ich könnte jederzeit einschlafen. Zweitens habe ich derzeit recht seltsame Pulse, mein Ruhepuls liegt bei etwa 42, was immerhin schon 10% höher als mit dem Betablocker ist, aber doch etwas niedrig. Bei Belastung steigt er aber regelmäßig bis in den 160er Bereich, was eigentlich nicht gewollt war - ich soll meinen Puls bis etwa 145 hochtreiben, um das Herz zu schonen. Momentan klappt das noch nicht, vielleicht muß ich mich noch weiter daran gewöhnen.
Außerdem merke ich natürlich die Pause schon. Ich bin weit von dem Fitnesszustand entfernt, den ich vor meinem Inliner-Unfall vor genau 12 Wochen hatte. In der Zeit (5 Wochen absolute Laufpause, 3 davon auf Krücken) habe ich 4 Kilo zugenommen. Die sind mittlerweile wieder runter (heute habe ich das 5. Kilo wieder abgeschüttelt, d.h. ich bin heute sogar ein bißchen leichter als damals). Aber längere Läufe, und dazu zähle ich z.B. meine Quasi-Standardstrecke zum Westhafen von 16 km, machen mir Probleme. Heute bin ich wieder 14,5 km gelaufen, und ich habe festgestellt, daß meine Herzfrequenz mit zunehmender Dauer steigt - unabhängig davon, daß ich das Tempo ein bißchen rausnehme, um dem entgegenzuwirken. Das ist wohl ein Zeichen von fehlender Fitness.
Alles in allem freue ich mich zwar, daß ich laufen kann, aber ich sehe große Probleme vor mir. Der Frankfurter Marathon im Oktober, den ich mir fest vorgenommen hatte, erscheint mir jetzt vielleicht machbar, aber da darf nichts dazwischenkommen.
Samstag, 7. Juli 2012
Chronotrope Inkompetenz
Ich war zweimal mit dem Langzeit-EKG laufen, um einigermaßen zuverlässige Daten zu sammeln. Das erste Mal, letzten Samstag, versuchte ich auch etwas schneller zu laufen, um etwaige Sprünge zu provozieren und sie damit dokumentieren. Das Problem: ich konnte gar nicht erst schnell laufen. Der Versuch brachte mich vor allem an den Rand der Atemlosigkeit, aber besonders schnell wurde ich nicht, und mein Puls auch nicht. Nachdem ich es eingesehen hatte, versuchte ich auf Normalpuls zu kommen und wenigstens die 10-km-Runde fertig zu laufen, mit mäßigem Erfolg. Ab km 6 wollte mein Körper nicht mehr, und ich mußte mich regelrecht zwingen. Ich schaffte 9 Kilometer.
Am nächsten Tag, Sonntag, habe ich gar nicht erst versucht, auf hohe Touren zu kommen, sondern bin einfach gemütlich gelaufen, ohne irgendwas zu wollen. Im Durchschnitt unterschied sich interessanterweise die Zeit gar nicht, aber dadurch, daß ich gar nicht erst aus der Puste kam, konnte ich bis zum Ende der 10 km laufen. Auch das war kein Vergnügen, aber es war wesentlich angenehmer.
Ich hatte mir noch vorgenommen, am Montag noch einen dritten, kurzen Lauf hinzuzufügen, bei dem ich evtl. doch die hohen Pulsregionen schaffte, aber ich war zu kaputt. Das mußte reichen, zumal ich ja noch die Spiroergometrie in der Uniklinik hatte.
Am Dienstag war es soweit, ich brachte das Gerät zurück (endlich duschen! Die Elektroden hatten ganz schön gejuckt) und absolvierte meine Spiroergometrie. Die war etwas besser als der Belastungs-EKG die Woche zuvor, weil die Steuerung graduell anstieg statt in Stufen, das machte es mir zumindest einfacher. Aber mit 150 Watt hätte ich auch keine Olympia-Qualifikation erreicht :)
Währenddessen war die Auswertung des EKGs fertig, und mit beidem bin ich dann zum Oberarzt, der sich der Sache angenommen hat. Ein beeindruckender Stapel Papier. Im wesentlichen wurde die vorherige Annahme bestätigt: aufgund des Betablockers reagierte mein Herz nicht auf die Anforderung, höher zu schlagen, so daß ich ab einer bestimmten Leistungsstufe keine Luft mehr bekam. Laut Spiroergometrie war diese Stufe knapp über meiner anaeroben Grenze - im Prinzip konnte ich also nur noch Aerobics machen.
Trotzdem waren im Verlauf der 72 Stunden während meines EKGs mehrere Etappen mit Vorhofflimmern vorhanden. Der Betablocker schnitt also zuviel der hohen Pulse ab, ohne es zu schaffen, die ganz hohen abzuschneiden. Aufgrund des Vorhofflimmerns hätte ich die Dosis erhöhen müssen, was aber angesichts der chronotropen Inkompetenz nicht ging.
Was tun? Ein paar Möglichkeiten zeigen sich. Seit ein paar Jahren läßt sich Vorhofflimmern erfolgreich abladieren. Ich kenne das schon, bei mir wurde das an den Herzwänden dreimal durchgeführt. Damals war der Erfolg aber nicht hundertprozentig, und die Methode an der Pulmonalvene war noch sehr neu. Schön ist das nicht, man liegt stundenlang bei Bewußtsein auf der Liege mit einem Katheter in der Leiste, die Ärzte fummeln an ihren Geräten, und wenn sie den Punkt gefunden haben, dann wird der Katheter für eine Narbenbildung erhitzt - das tut weh.
Die zweite Möglichkeite ist, den Betablocker, der offensichtlich zuviele Nebenwirkungen verursacht, abzusetzen, und ein anderes Antiarrhythmikum zu versuchen. Die Wahl fiel auf ein Medikament mit dem afghanisch anmutenden Namen Multaq, ein relativ neues Medikament, das äußerst selektiv die Herzrhythmusstörungen bekämpft. Das habe ich nun seit Montag, und langsam beginne ich mich, daran zu gewöhnen. Was mir auffällt: ich bin ständig müde und könnte dauernd schlafen!
Ich bin heute 13,6 km gelaufen, und das Herz scheint jetzt normal zu reagieren. Zumindest geht es mühelos auf Bereiche um die 160 Schläge, was es vorher gar nicht geschafft hatte. Natürlich ist es nicht besonders gut, schon beim 6 min/km auf 160 zu kommen, und es war auch heute ziemlich anstrengend, andererseits ist es schon eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Betablocker. Ich werde das weiter beobachten.
Die spannende Frage bleibt aber unbeantwortet: woher habe ich plötzlich wieder Vorhofflimmern? Das war immerhin seit mindestens anderthalb Jahren nicht mehr vorgekommen, schon gar nicht in dieser Vehemenz. Leider ist die Frage aber anscheinend nicht zu beantworten: das Herz, so der Arzt, sei ein dynamisches, hochkomplexes Gebilde, und schon kleine Veränderungen in der Physiologie können dazu führen, daß es anders reagiert. Bei mir kommen viele Faktoren dazu, die es noch komplizierter machen: zum einen die Herz-OP, die dadurch veränderte Lage des Herzen im Brustkorb, dann die Ablationen, die schon Veränderung im elektrischen Leitungssystem bewirkt haben. Dazu kommt, daß ich durch die Pulmonalstenose erhöhten Druck im rechten Herzen habe, und durch die alte Aortenstenose , die zur Operation geführt hatte, hatte ich lange Zeit erhöhten Druck im linken Herzen.
Kurzum: ich kann eigentlich froh sein, daß es überhaupt so gut funktioniert.
Montag, 2. Juli 2012
Kontrolltermin und weiteres Vorgehen
Das war auch bitter nötig. In letzter Zeit häuften sich Probleme mit meinem Herzen. Angefangen damit, dass ich sehr unfit war - nun gut, das konnte ich ja verkraften, hatte ich doch wochenlang nicht laufen können, inklusive 3 Wochen mit den Krücken. Aber zuletzt hatte ich sehr seltsame Pulswerte, Palpitationen, Schmerzen in der Brust, und zwar so stark, dass ich ein paarmal kurz davor stand, den Notarzt anzurufen. Ich tat das nicht und lernte, daß sie auch so wieder vorbeigingen, mitunter also nicht gefährlich waren. Beunruhigend war das allemal.
Am 14.6. lief ich noch den JP Morgan Chase Corporate Challenge teilgenommen. Von der Distanz eine Kleinigkeit (5,6 km), auch sonst keine sportliche Herausforderung, wenn man nicht wochenlang nicht trainiert hat und ein paar Kilo zuviel mit sich trägt. Ich lief mit einigen Kollegen und wollte versuchen, etwas schneller als sonst zu laufen, um eben doch eine sportliche Aktivität daraus zu machen; sonst war das immer mehr eine witzige Massenveranstaltung gewesen.
Etwa zur Hälfte gibt es einen kleinen Anstieg, der mir ganz schön zu schaffen machte, und da merkte ich plötzlich, dass mein Puls wieder hochging: ich spürte wieder dieses "metallische" Gefühl an Hals und oberen Brustbereich, meine Beine wurden schwer wie Blei und ich konnte kaum vorankommen. Der Blick auf die Pulsuhr bestätigte das: Puls 245, ich hatte wieder Vorhofflimmern.
Ich bremste ab, ließ meinen Puls wieder runterkommen (was gar nicht so leicht war) und schleppte mich irgendwie ins Ziel. Das war sehr unangenehm: mein letztes Vorhofflimmern war vor anderthalb Jahren gewesen, und schon damals hatte es nicht so lang angehalten. Dazu kam, daß ich relativ ungeschützt bin: da mein Herz sich gut verhielt, durfte ich das Marcumar absetzen, das der Vorbeugung von Schlaganfällen infolge von Blutgerinnselbildung dienen sollte. Jetzt hatte ich den Salat: kein Marcumar, aber Vorhofflimmern.
Ich erhöhte daraufhin die Betablocker-Dosis. Der Betablocker soll eben diese hohen Pulse verhindern, und da ohne Marcumar fühlte ich mich ziemlich nackig. Die neue Dosis hatte ich schon mal gehabt, aber ich hatte sie mir halbieren lassen, weil ich sie nicht vertragen hatte - zu niedrigen Puls und Leistungseinbußen. Aber jetzt kam es darauf an, das Vorhofflimmern zu verhindern.
In der Folgezeit begann mein Herz an zu spinnen. Es wechselten sich Niedrigpulsphasen
mit Herzrasenphasen ab, ich wurde kurzatmig, die Stiche in der Brust nahmen zu. Für mich waren das Zeichen, daß meine Herzklappe endgültig den Geist aufgab, und stellte mich innerlich auf einen Ersatz ein.
Zum Glück kam das anders: die Pulmonalklappe ist nach wie vor verengt, aber ich habe immer noch eine mittelgradige Stenose und keine hochgradige; erst bei letzterer müßte meine Klappe ausgetauscht werden. Die Kurzatmitgkeit und die ganzen Beschwerden erklärte sich der Arzt mit der höheren Betablockerdosis: der soll die hohen Pulse abschneiden, und offensichtlich scheidet er soviel ab, daß die Pumpleistung darunter leidet. Das Problem: ich brauche den Betablocker, um das Vorhofflimmern zu verhindern.
Jetzt zeichnet sich eine Möglichkeit ab, dem Ganzen beizukommen: ein anderes Medikament (ich habe mir den Namen nicht gemerkt) soll gezielt und wirksam das Vorhofflimmern verhindern. Als Vorbereitung dazu bekam ich am Freitag ein 72-Stunden-EKG angehängt, eine kleine Kiiste, die mich den ganzen Tag begleitet. Ich sollte ausdrücklich damit laufen gehen (was mich ziemlich viel Kraft gekostet habe; ich schaffe es nicht, den Puls über 145-150 zu bekommen, und da fehlt mir die Luft). Gestern war ich damit 9 km laufen, heute 10 km - beides kein Vergnügen. Vielleicht gehe ich morgen früh noch eine kurze Runde.
Am Dienstag werde ich noch eine Spiroergometrie machen lassen und damit hoffentlich genug Daten gesammelt haben, um zu sehen, was der geeignete Weg aus der Misere ist. Immerhin, die zwei Ärzte, die mich untersuchten, meinten beide übereinstimmend, es sei wichtig, daß sie mich wieder zum Laufen bringen.
Freitag, 11. Mai 2012
Wir sind die Initiativen!
Wir sind die Abmahnanwälte! (Website könnte Trojaner installieren, keine Haftung)
Wir sind die Downloader! (Torrent-Link zu finden hier)
Mittwoch, 9. Mai 2012
Datenpanne bei Twitter? Eine Hypothese
Heute gab es auf meiner Timeline einigen Wirbel um eine angebliche Datenpanne bei Twitter. Einige Nachrichtenportale berichteten darüber.
Hier eine kleine Analyse des veröffentlichten Datenbestands.
Aus der Summe aller 5 Dateien mit über 55.000 Datensätzen verbleiben nach Löschung der Doubletten 34061 Datensätze (hier habe ich in Gross- und Kleinschreibung unterschiedliche, ansonsten aber gleiche Datensätze als gleich betrachtet, zumal sie in den meisten Fällen das gleiche Passwort hatten.)
Darin enthalten sind 5 Sätze, die formal fehlerhaft waren, d.h. ohne das Trennzeichen ":". Ich habe sie hier herausgenommen, obwohl erkennbar war, wie sie hätten lauten sollen.
Zusätzlich gibt es 28 Datensätze miz zu kurzem Benutzernamen (<= 4 Buchstaben) wie "wwww" mit Passwort "wwww"oder "kaio" mit Passwort "kaio", einige von ihnen ohne oder mit ebenfalls kurzem Paswort. Diese lasse ich aus der Betrachtung raus.
Ab 5 Buchstaben kann ich nicht eindeutig erkennen, ob diese "ungültig" sind, also zähle ich sie bei den nachfolgenden Betrachtungen mit.
Zusätzlich finden sich 66 Sätze ohne Passwort.
Dazu 4 Datensätze mit Passwort bestehend aus einem Buchstaben, 15 mit 2-, 113 mit 3- (häufig "123" oder "ABC"), 595 mit 4stelligem, 358 mit 5stelligen Passwort.
Ich bin nicht sicher, ob ich diese herausnehmen soll. Die meisten von ihnen haben Mailadressen als Benutzernamen, die zumindest formal korrekt sind. Viele dieser Passwörter haben (homo-)sexuellen Kontext und, in Zusammenhang mit den Mailadressen und/oder deren Pseudonymen, lassen auf ein brasilianisches Umfeld schliessen:
sex, sexo, gay, pau, porro, imgay, amigo...
24992 Benutzernamen entsprechen formal einer Mailadresse in der Form benutzer@domain.tld.
Von den Benutzernamen mit Passwörtern mit 4 oder mehr Buchstaben haben 5775 Adressen aus *.br (5717 aus *.com.br). Die restlichen teilen sich auf hotmail.com (15639), gmail.com (2157), Yahoo.com (306), (windows)live.com (136), msn.com (106). Auch hier kann man eine Tendenz zu sexuellem Bezug in den Mailkonten erkennen.
776 weitere verteilen sich auf globo.com, globomail.com, telefonica.com.br und andere. Die allermeisten sind aus Brasilien oder international (wie hotmail.com, gmail.com, usw.), sehr wenige aus Portugal, Argentinien, Spanien oder Rest-Lateinamerika.
Domain Anzahl
hotmail.com 15601
yahoo.com.br 2375
gmail.com 2151
bol.com.br 1030
uol.com.br 695
IG.COM.BR 454
yahoo.com 284
terra.com.br 272
oi.com.br 204
live.com 131
hotmail.com.br 130
msn.com 106
globo.com 99
ibest.com.br 73
ymail.com 49
pop.com.br 49
gmail.com.br 38
Es fällt auf, dass es auch einige Vertipper gibt wie hotmial, gmial, gmeil, yahooo.com.br, usw.
9036 Benutzer haben kein Mailadressenformat. Hier fällt auf, dass viele von ihnen "konstruiert" wirken. Dazu gibt es 580 Accounts mit dem gleichen Passwort (315475), was auf eine Scriptattacke hinweist.
Andere könnten so tatsächlich existieren.
Interessant sind die restlichen 1408 Accounts, die eine Passwortlänge von 8 haben. Diese haben eine Reihe von Merkmalen, die sie von den anderen unterscheiden:
- Sichere Passwörter aus Gross- und Kleinbuchstaben mit Zahlen kombiniert, die nicht in einem Wörterbuch erscheinen
- "konstruiert" wirkende Benutzernamen, z.B.
Passwort Benutzer
386cSthn Alene_Figgins
387vZVqy Temeka_Wheelis
Die verwendeten Namen sind hier nicht portugiesisch, sondern eher US-amerikanisch einzuordnen.
Ich würde darauf tippen, dass hier ein Spambot aus den USA gewütet hat.
Was können wir aus diesen Daten schliessen?
1. Vermutlich haben wir es hier nicht mit einem Twitter-Datenbestand zu tun.
Die vielen fehlerhaften Benutzerdaten können nicht aus einer gültigen Twitter-Datenbank stammen, denn sie wären bei der Anmeldung abgewiesen worden. Ebensowenig möglich wäre es, einen Benutzer ohne oder mit zu kurzem Passwort zu erstellen.
2. Es wurde die Vermutung geäussert, dass es möglicherweise ein authorisierter Service gewesen sei. Ich meine nein.
Aus den gleichen Gründen wie 1. kann es sich um keine gültigen Twitter-Benutzerdaten handeln. Die Vermutung, die Passwörter könnten aus der Zeit vor der OAuth-Einführung stammen, halte ich für nicht stichhaltig: auch solche Daten müssten ein gültiges Benutzername/Passwort-Paar ergeben.
3. Vermutlich wurde eine andere Website gehackt, und das sind deren Nutzerdaten.
4. Die Website dürfte in Brasilien heimisch sein und entwas mit Sex, Porno und/oder Gay zu tun haben.
5. Die Website selbst dürfte (mehrfach?) Opfer von Spambot-Attacken geworden sein, die massenweise Fake-Accounts anlegten.
6. Die vorliegende Tabelle könnte eine Art Vorfilter darstellen, vielleicht als Teil eines zweistufigen verteilten Systems: wenn der Webserver keinen Kontakt zur Datenbank hat, speichert er die Daten ohne Prüfung, um sie später mit dem DB-Server abzugleichen. Somit hätten wir hier nicht-verifizierte Konten vorliegen.
7. Das Szenario aus 6. würde auch erklären, wie sie in die Hände der Hacker gelangt sind, nämlich bei der Übertragung auf den Backend-Server.
8. Der Punkt 7. ist natürlich nicht zwingend - aufgrund der schlampigen Datenerfassung kann man auf mangelndes technisches Know-how der Seitenbetreibers schliessen, ein Leck könnte also überall aufgetreten sein.
9. Möglicherweise sind Twitter-Konten dennoch betroffen, und zwar in den Fällen, in denen echte Benutzer aus dieser Datenbank die gleichen Nutzerdaten für ihre Twitteranmeldung verwenden.
Sonntag, 6. Mai 2012
Frust
Ich war die letzte Zeit ganz gut im Training und wollte mit dem Trainingsplan für den Marathon starten. Die Idee war, relativ "normal" zu trainieren, zwar immer mit dem Blick auf Puls und generell auf Herz und Kreislauf zu achten, aber doch so, daß ich mein Ziel erreichen kann: endlich den Marathon unter vier Stunden. Am 29. Juni habe ich wieder einen Termin in der Uniklinik, und wenn das Training sich negativ auf mein Herz auswirken sollte, dann dürfte man es da sehen. Um es richtig zu machen, habe ich Mathias und Anke von MyGoal kontaktiert. Zusammen haben wir die Rahmenbedingungen abgeklärt, und ich bekam meinen persönlichen, auf mich zugeschnittenen Trainingsplan. Beginn des Trainings war der erste Mai.
Dummerweise kam ich nicht dazu. Meine Tochter Marie verführte mich schon vor ein paar Wochen dazu, Inline Skater zu lernen. Ich hatte das schon ein paarmal versucht, war aber nie besonders hinterher gewesen, aber jetzt bot sich das an als Alternativsportart an, die ich anstatt des Laufens zwischen den Laufeinheiten betreiben soll. Zwar hatte Mathias Bedenken geäußert, er fand sie verletzungsanfällig, aber ich dachte, bei den langsamen Geschwindigkeiten, die ich fahre, würde schon nichts passieren. Ich zog auch meine Schützer brav an, und letzten Samstag ging es wieder los.
Ich kann nicht genau sagen, wie es passiert is, aber irgendwie habe ich das Gleichgewicht verloren. Anstatt vernünftigerweise kontrolliert nach vorne zu fallen, versuchte ich reflexartig, den Fall zu verhindern, und es kam, wie es kommen mußte: ich fiel irgendwie verrenkt und völlig unkontrolliert. Ich habe es nicht genau gespürt, aber meine Tochter, die hinter mir herfuhr, sagte mir, ich sei auf beide Knie gefallen; dabei sind meine Beine auseinander gezogen worden. Ich selbst spürte einen ziemlichen Schlag auf den Hintern.
Nach einer Weile stellte ich fest, daß ich gar nicht richtig gehen konnte. Wir waren etwa einen Kilometer von meiner Wohnung entfernt, und ich zog meine Skates aus und ging langsam, sehr langsam barfuß zurück. Ich kam nicht weit, weil es einfach höllisch wehtat, aber glücklicherweise erbarmte sich ein Autofahrer und fuhr mich nach Hause - bzw. bis zu meinem Auto. Ich mußte meine Tochter zum Gesangsunterricht fahren, und Autofahren war irgendwie möglich.
Ich mußte auf meine Tochter warten, fand einen Parkplatz und wollte ein Eis essen. Die Eisdiele war 30, 40 Meter vom Auto entfernt, und ich brauchte bestimmt eine Viertelstunde dahin. Da war mir klar, ich muß zum Krankenhaus. Meine Tochter kam zurück, wir aßen ein Eis, und dann ging es zurück zum Auto. Ich mußte ein Stück buchstäblich kriechen und gab bestimmt ein witziges Bild ab.
Im Krankenhaus wurde ich untersucht, geröntgt, bestastet, usw. Zum Glück habe ich mir nichts gebrochen, nur die Hüfte und eine Wirbel sind geprellt, dazu noch ein paar Schrammen am Ellebogen (wegen denen ich meine Tetanusimpfung auffrischen lassen mußte). Schlimmer aber: ich habe mir einen Muskelfaserriß an einem der Adduktoren im rechten Oberschenkel geholt. Zunächst hieß es, es sei nur eine Zerrung, weil kein Bluterguß zu sehen war, aber der kam am nächsten Tag langsam von innen zum Vorschein, weshalb ich annehme, daß es der m. adductor brevis ist - er ist sozusagen unter dem adductor longus versteckt. Wie dem auch sei, die Auswirkung ist, daß ich selbständig das Bein nicht bewegen kann; auch Auftreten ist schmerzhaft. Daher laufe ich jetzt seit einer Woche an Krücken.
Mittlerweile geht es ein bißchen besser. Liegen und Sitzen sind weitgehend schmerzfrei möglich, was noch vor ein paar Tagen wegen den Prellungen nicht ging. Gehen ist zwar immer noch nicht möglich, aber ich kann es schon mit nur einer Krücke, und dabei belaste ich ganz sanft das rechte Bein. Ich denke, nach ein paar Tagen werde ich wieder ganz ohne Krücken gehen können.
Mein Trainingsplan begann also mit einer langen erzwungenen Pause. Ich weiß nicht, wann ich zum ersten Mal laufen können werde, und daher der Titel dieses Beitrages: momentan schiebe ich einen ziemlichen Frust. Und mich auf Krücken.
Donnerstag, 29. März 2012
Aufschub
Ich wurde freundlich von der Sekretärin des Oberarztes empfangen (im Vorfeld hatte ich etwas Zickenkrieg mit einer Dame vom Empfang gehabt, die mir partout keinen Termin geben wollte, woraufhin ich mich direkt an den Chef per Mail wendete - man muß sich durchzusetzen wissen!) und gleich zu der Sonographie-Abteilung gebracht. Nach kurzer Wartezeit kam ich dran, und ich wurde von einem jungen Assistenzarzt untersucht. Er vermaß alle möglichen allgemeinen Herzparameter, prüfte die Funktion meiner Aortenklappe (die ja meine frühere eigene Pulmonalklappe ist - sie funktioniert hervorragend!) und rief zum Ende einen erfahreneren Kollegen, der die Pulmonalklappenprothese begutachten sollte. Dies ist ja anscheinend etwas komplizierter.
Das Ergebnis war positiver als erwartet. Ja, die Klappe hat sich verengt, dies aber doch viel weniger, als man das vielleicht erwartet hätte. Zur Probe durfte ich einige Kniebeugen machen, um das Verhalten bei Belastung zu testen; auch das war einigermaßen zufriedenstellend. Wir wiederholten den Stresstest noch einmal (was ich überhaupt nicht mochte. Ich wäre gern gelaufen, aber Kniebeugen hasse ich wie die Pest!), und der Arzt war zufrieden.
Mit dem Ergebnis der Sonographie wurde ich vom behandelnden Oberarzt zum Gespräch gebeten. Er las sich alles genau durch und sah etwas unschlüssig aus. "Was mache ich jetzt mit Ihnen?" Nun, das war genau, was ich eigentlich von ihm wissen wollte.
Er erklärte mir die Lage. Ich habe eine mittelgradige Stenose, die zwar ernstzunehmen ist, aber keine unmittelbare Gefahr darstellt. Ich habe keine akute Symptomatik (ich berichtete, daß ich immer noch regelmäßig laufe, am Tag davor war ich 20 km gelaufen), also ist die Lage nicht angespannt. Konkret heißt das, daß die Klappe nicht ersetzt werden muß. Evtl. doch in 6 Monaten?
Ich hakte nach. Ich will ja weiterhin regelmäßig Sport treiben, ich möchte einen Marathon laufen und dafür demnächst ins Training einsteigen. Das bedeutet, aus den aktuellen 50 Wochenkilometer werden zwar nicht wesentlich mehr, aber es werden doch andere Einheiten: es kommen kurze, schnelle dazu, und es werden langsame, dafür längere dazukommen.
Der Arzt tat sich schwer mit einer Entscheidung, aber dann fand er einen Kompromiss: ich soll mit dem Marathontraining anfangen und in drei Monaten wiederkommen. Dann wird man sehen, ob die Klappe sich weiter verengt und wie das Herz allgemein auf die Belastung reagiert. Er riet mir nach wie vor zum Betablocker und darauf, meinen Puls im Blick zu haben. Und immer schön auf den Körper hören.
Ich war sehr erleichtert. Ich hatte mich innerlich schon darauf eingestellt, jetzt eine Klappen-OP über mich ergehen lassen zu müssen. Die kommt (vorerst) nicht. Ich habe drei Monate Aufschub für die Entscheidung bekommen.
Und ich darf mit dem Marathontraining beginnen!
Freitag, 30. Dezember 2011
Geburtstag!
Jahresende ist eine gute Zeit, um Rückblicke zu fassen, und ich will mich daran halten. 2011 war ein gemischtes Jahr mit Höhen und Tiefen.
Sportlich gesehen kann ich es durchaus positiv verbuchen: ich bin wieder ins Laufen gekommen, habe dabei mit 2000 km mehr Jahreskilometer als je zuvor geschafft, bin relativ erfolgreich durch einen Marathon gekommen und habe etliche Streckenrekords unterboten. Vor allem der Halbmarathon und die 10 Kilometer sind mir gut gelungen: den HM komplett unter 5 min/km gelaufen, den 10er in 46 Minuten. OK, es gab ein paar selbstgesteckte Ziele, die ich nicht erfüllen konnte. Den 10er wollte ich gern unter 45 Minuten laufen, das habe ich nicht geschafft, und ich habe mich aus gesundheitlichen Gründen auch nicht daran getraut. Den Marathon wollte ich gern unter 4 Stunden laufen, und daß ich das nicht geschafft hat, ärgert mich ein bißchen, denn es war im wörtlichen Sinne "dumm gelaufen", ich hätte es packen können, wenn ich nicht zuviel gewollt hätte. Aber so bleibt ja ein Ziel fürs nächste Jahr übrig, und das ist auch OK so.
Gesundheitlich war das Jahr durchwachsen. Ich bin ganz gut ins Jahr gestartet, habe mich durch den Winter gearbeitet und bin im Frühjahr mit ein paar Kilo Übergewicht Halbmarathons gelaufen. Dann kam der Ärztecheck mit der schlechten Nachricht, dass meine Herzklappe wieder zumacht. Zuerst habe ich mich etwas zurückgezogen, dann erkannt, daß ich mich nicht danach fühlte und doch eine Zweitmeinung einholen wollte. Die war weit positiver, konnte aber keine abschliesende Klarheit in der Sache bringen, so daß ich zwar noch den Marathon gelaufen bin, unmittelbar danach aber zum Herzkatheter mußte. Das Ergebnis war schlechter als gedacht, meine Herzklappe war tatsächlich stark verengt, und sie mußte aufgesprengt werden. Ich bekam danach Medikamente, die ich nicht so gut vertrug, und mittlerweile ist die Dosierung wieder halbiert worden. Ich konnte viel, aber nicht schnell und auch nicht lange laufen, so daß ich meine Kilometer sammelte und einigermaßen fit blieb. Gegen Jahresende hatte ich ein paar Infekte, die mich wieder runtergerissen haben.
Einen Ausblick fürs neue Jahr gibt es zwar, aber der ist etwas nebulös. Wahrscheinlich wird meine Herzklappe wieder schlappmachen, so sagt das die Statistik. Dann wird kein Aufsprengen mehr möglich sein, höchstens noch einmal, und danach wird die Klappe ausgetauscht werden müssen. Das ghet aber wohl ohne Öffnung des Brustkorbs, und dafür wäre ich doch sehr dankbar :) Wenn es kommt, dann wohl im April oder Mai.
Aus der Herzklappensache fällt es mir schwer, sportliche Ziele zu formulieren. Den Marathon unter 4 Stunden würde ich gern schaffen, ich würde gern wieder mindestens 2000 km erlaufen (gern auch mehr), ich würde gern etwas schneller werden. Mein Bruder hat mir vor zwei Jahren erzählt, daß er den 10er in 41 Minuten gelaufen ist. Ich dachte damals, daß ich das niemals schaffen könnte, aber mittlerweile erscheint es mir erreichbarer. Ja, und ansonsten: gesund bleiben, mich nicht verletzen, weiterhin Spaß am Laufen haben. Dabei kann ich mich auf die tollen Mitläuferinnen und Mitläufer vom Twitterlauftreff verlassen, mit denen das ja richtig nett geworden ist.
Aber das wird sich alles noch zeigen!
Sonntag, 6. November 2011
Eingewöhnung, laufen, lebbegehtweida
Beim letzten Post hatte ich noch geschrieben, daß mir nicht ganz klar ist, ob und warum der Ersatz von Marcumar durch Plavix einen Fortschritt darstellt, sind sie doch beides gerinnungshemmende Mittel. Mittlerweile bin ich schlauer geworden: sie wirken auf untrerschiedliche Weise; Marcumar unterdrückt in der Leber die Produktion eines Gerinnungsfaktoren, während Plavix auf die Klumpenbildung der Blutplättchen wirkt. In beiden Fällen wird verhindert, daß sich ungewollt Gerinnsel bilden, aber bei Marcumar ist das Blutungsrisiko höher und man muß sehr genau die Wirkung überprüfen und ggf. die Dosierung anpassen. Bei Plavix geht man davon aus, wenn ich mich an die Dosierungsempfehlung halte, daß die Wirkung da ist - eine Überprüfung ist nicht möglich bzw. nicht vorgesehen. Alles in allem bin ich eine Stufe weiter, was die Medikation angeht.
Apropos Medikation: ich bekam doch einen Betablocker, der die hohen Pulse abschneiden soll, um mein Herz damit zu entlasten. Der Vorteil: es entsteht kein hoher Blutdruck, der bei mir während der Untersuchung unter Stress doch überproportional gestiegen war. Der Nachteil: mir schlafen oft Hände und Beine ein, ich bekomme kalte Hände, ich bin auch öfter müde. Und es ist schwer, sich daran zu gewöhnen. Ich sollte beim Laufen streng nach dem Puls achten und zusehen, daß er nicht über 145 klettert (früher bin ich regelmäßig mit 160 gelaufen, bei Wettkämpfen oft darüber). Das ist nicht so leicht: mein Puls ist an sich ganz regelmäßig, hat aber hin und wieder Ausrutscher nach oben und, seltener, auch nach unten. Das sieht z.B. so aus:
Wie dem auch sei, ich bin letzte Woche die Staffel des Frankfurter Marathons mitgelaufen. Ich war brav und hielt mich genau daran, was der Arzt mir empfohlen hatte: höchstens die kleine Strecke von 7 km, und der Puls nicht über 145. Letzteres war sehr schwer, denn am Anfang kletterte mein Puls auf über 160, egal, was ich tat. Irgendwann schaltetete ich die Anzeige aus und lief nach Gefühl, und als ich doch wieder nachschaute, hatte sich der im vertretbaren Bereich zwischen 125 und 140 eingependelt. Das lag vermutlich daran, dass ich das Medikament erst seit ein paar Tagen nahm und daher noch nicht richtig eingewöhnt war. Oder auch, darauf hat mich Sven, ein anderer Mit-Läufer, gebracht, könnte es sein, daß ich den Puls eines anderen Läufers neben mir empfangen hätte. Mittlerweile habe ich das nicht allzu oft, und es scheint sich doch einzupendeln.
Um mich etwas besser zu motivieren, habe ich beschlossen, jetzt jeden Tag zu laufen. Nicht zuviel, nicht zu schnell, aber täglich. Mal schauen, wie lang ich das durchhalte, heute hatte ich meinen 6. Tag hintereinander.
Freitag, 21. Oktober 2011
Überstanden! Aber leicht getrübte Aussichten
Untersucht werden sollte meine Pulmonalklappe mittels Herzkatheter. Anstelle meiner ursprünglichen Pulmonalklappe trage ich dort eine Prothese, die Medtronic Freestyle. Meine Originalklappe sitzt bei mir an der Stelle der Aortenklappe, die defekt und völlig verkalkt war und deshalb ersetzt werden mußte. Der Grund für diese Rochade, eine sog. Ross-Operation, war, daß mir dadurch die lebenslange Einnahme von Marcumar erspart werden sollte. Das hat nicht ganz geklappt, denn nach meiner OP bekam ich Vorhofflimmern, was mich wieder zum Marcumarpatienten machte. Kann man also als Pech betrachten.
Die Ross-Operation ist ein relativ neues und selten angewandtes Verfahren. In den letzten Jahren scheint sich herauszustellen, daß es eine relativ große statistische Wahrscheinlichkeit dafür gibt, daß die eingesetzte Pulmonalprothese wieder verkalkt. Dieser Prozentsatz ist nicht allzu hoch, mir wurden Zahlen zwischen 5 und 15 Prozent genannt, aber offenbar bin ich an der Stelle wieder ein Pechvogel, denn meine Prothese verengt sich wieder.
Es ist anscheinend technisch sehr schwer, die Pulmonalklappe von außen mit dem Ultraschall zu betrachten. Was man durchaus erkennen kann, ist eine erhöhte Flußgeschwindigkeit des Blutes an der Stelle, was indirekt ein Maß für die Verengung der Klappe darstellt, aber Details sind von außen nicht erkennbar. Mit dem Katheter sollte diese Verengung genau vermessen und daraus eventuell zu ergreifende Maßnahmen abgeleitet werden.
Nach etwas terminlichem Hin und Her bin ich also gestern in die Uniklinik, um mich untersuchen zu lassen. Ein Lob an dieser Stelle für das gesamte Klinikpersonal: ausnahmslos wurde ich freundlich behandelt, man ging auf meine Fragen und Zweifel ein, ich traf ausschließlich auf motivierte und, soweit ich das beurteilen kann, kompetente Mitarbeiter. Ich hatte vor etwa fünf Jahren an der gleichen Stelle schon drei Katheteruntersuchungen, und vor allem die zweite war mir sehr unangenehm in Erinnerung geblieben, weil sie sehr schmerzhaft war (die Punktionsnadel hatte offenbar meinen Nerv getroffen) und auch noch Komplikationen in der Folge hatte (ich bekam ein walnußgroßes Hämatom, das mich wochenlang begleitete). Das erzählte ich den behandelnden Ärzten, und sie gaben sich wirklich sehr viel Mühe, das diesmal mit großer Präzision zu erledigen - mit Erfolg, und dafür nochmal vielen Dank.
Ein Katheterlabor sieht ein bißchen aus wie eine Szene aus einer Science-Fiction-Serie. Sehr beeindruckend vor allem die sieben Monitore, die nebeneinander alle möglichen Parameter, EKG-Kurven, Blutdruck- und sonstige Diagramme anzeigen, nebst Darstellung des Röntgenbilds aus zwei verschiedenen Winkeln. Als Laie kann man da nur unscharfe Schatten erkennen, aber für die erfahrenen Ärzte ist es so, als würden sie auf einer Karte navigieren. Ich wurde an der Leiste an zwei Stellen punktiert: zum einen in eine Vene, durch die man über die untere Hohlvene in den rechten Vorhof und von da an in die rechte Kammer führt. Zum anderen in der parallel verlaufenen Arterie, um in die Herzkranzgefäße vorzudringen. Letzteres ist eine indirekte Navigationshilfe: um die Pulmonalklappe zu identifizieren, die gar keinen Schatten wirft, fährt man mit dem Katheter an die Stelle, wo die erste Abzweigung der Herzkranzgefäße ist, und die liegt einen Zentimeter hinter der Klappe.
Es war schon ein komisches Gefühl. Zwar wurde mir gesagt, daß die meisten Menschen das nicht spüren können, aber ich konnte ziemlich genau sagen, wo sich der Katheter gerade bewegte. Es war aber nicht unangenehm, und die Ärzte erklärten mir jeden Schritt, was sie vorhatten und welche Erkenntnis sie gerade gewonnen hatten. Sie fuhren an die Stelle vor und hinter der Klappe und maßen jeweils den herrschenden Druck, um den Unterschied festzustellen. Danach gaben sie mir irgend ein Medikament, um Belastung zu simulieren, mein Herz schlug mit 110 bis 120 Schlägen, und ich hatte wirklich das Gefühl, mich zu verausgaben. Sie erhöhten dann die Dosis ("Herr Harvey ist ja gut trainiert, wir können ein bißchen erhöhen"). Nach einer Weile war ich doch sehr aufgeregt, und ich bekam eine Einheit Morphium verabreicht - DAS war ein tolles Erlebnis! Wie auf Knopfdruck hörte ich auf zu zittern, und nach einem Moment Benommenheit schwebte ich wie ein Buddha über alles. Auf der Konstablerwache, so wurde mir gesagt, zahlen die Junkies dafür ein Vermögen - fand ich nachvollziehbar!
Nach dieser Probe war das Problem erkannt. Meine Pulmonalklappe war tatsächlich ziemlich verengt, so daß die auftretenden Drucke im rechten Herz bei Belastung etwa denen im linken Herz entsprechen - auf Dauer ein gefährlicher Zustand. Es wurde daher auch nicht lange gefackelt: die Klappe wurde mit einem Ballonkatheter aufgesprengt. Dafür mußte ein viel dickerer Katheter eingeführt werden (was ich aber auch nur unwesentlich spürte). Unangenehm war der Vorgang selbst: in dem Moment, als der Ballon aufgepumpt wird, kann kein Blut in die Lunge fließen. Beim ersten Mal war das nicht sehr schlimm, beim zweiten Mal an etwas verschobener Position dann doch: mir wurde ganz schön schwummerig, ich hatte ein sehr unangenehmes Druckgefühl in der Brust, und leichte Panik verbreitete sich in meinem Kopf. Aber das dauerte nur etwa 20 Sekunden, und dann war es vorbei.
Nach der Ballonaktion wurde alles wieder vermessen, und es zeigte sich eine deutliche Besserung, wenn auch keine hundertprozentige. Das Fazit: die Klappe scheint immer noch etwas verengt, es verbleibt ein leicht erhöhter Druck im Ruhezustand, der aber wohl vernachlässigbar ist. Schlimmer ist, daß der Druck unter Belastung wieder ansteigen wird. Daher werde ich einen Betablocker nehmen müssen, der die hohen Pulse abschneiden soll. Ich wurde gefragt, welchen Puls ich normalerweise laufe, und 160 sind zuviel - ich soll bei etwa 145 bleiben. Ich werde also mein Training umstellen müssen, denn durch den Betablocker werde ich meine heutigen Pulse gar nicht erst erreichen (oder, wenn doch, dann entpräche das einem heutigen 200er Puls oder so). Immerhin, laufen darf ich und soll ich auch. Ich erzählte, daß ich nächsten Sonntag die Marathonstaffel mitlaufen wollte, und das wurde mir sogar genehmigt, allerdings: nur die kurze Strecke und mit Maximum 145. Dafür wurde mir die Punktionsstelle sogar genäht, was sonst normalerweise nicht geschehen wäre.
Die Aussichten für die Zukunft sind eher trüb. Erfahrungsgemäß, so sagten sie mir heute, würde diese Aufweitung der Klappe nicht lange halten. Nach einem halben bis einem Jahr muß ich damit rechnen, daß sie sich wieder zuzieht. Danach wird es wohl darauf hinauslaufen, daß die Klappe ersetzt werden muß. Zum Glück geht das ohne Operation, d.h. ohne Öffnung des Brustkorbes. Wie dem auch sei, das ist noch Zukunftmusik, und ich bin froh, daß ich heute relativ beschwerdefrei nach Hause gehen konnte.
Einen positiven Nebeneffekt kann ich vermelden: ich werde das Marcumar, zumindest zeitweise, absetzen dürfen. Stattdessen werde ich Clopidogrel bekommen. Zunächst war ich sehr froh über die gute Nachricht, aber ich merke jetzt, daß ich Vor- und Nachteile nicht genau wiedergeben kann, also verstanden habe. Werde mich nochmal mit meinem Arzt beraten müssen. Auch mit dem neuen Betablocker muß ich vorsichtig umgehen, da ich durch den Sport schon einen ziemlich niedrigen Ruhepuls habe, der dann vielleicht in gefährliche Regionen käme - es folgt also eine Zeit vermehrter Kontrollen und Messungen.
Freitag, 14. Oktober 2011
Es bleibt alles anders
Dann gab es aber doch eine kleine überraschende Wendung: der verantwortliche Oberarzt klärte mich über die Untersuchung auf, es soll an meiner Pulmonalklappe, die ja durch eine biologische Prothese ersezt wurde, der herrschende Druckabfall gemessen werden, wodurch die vermutete Verengung bestätigt oder widerlegt werden soll. Dabei stellt sich gleich die Frage der Reaktion auf entdeckte Probleme. Eine Korrektur mittels Katheter liegt auf der Hand - wenn man schon dabei ist.
Möglich sind vie Szenarios: erstens, die Klappe wird vermessen und für korrekt befunden. Zwar ist das anhand der bisher vorliegenden Untersuchungsergebnisse nicht sehr wahrscheinlich, aber doch möglich. Zweitens, die Klappe weist zwar eine Verengung auf, die erscheint aber tolerierbar. Drittens kann die Klappe so verengt sein, daß sie einer Korrektur bedarf. Dann könnte sie gesprengt, d.h. mittels Ballondilatation aufgeweitet werden. Viertens kann die Klappe so defekt sein, daß sie ersetzt werden müßte. Auch das geht mittlerweile mit dem Katheter, habe ich heute gelernt: man fährt eine zusammengefaltete Herzklappe mit dem Katheter bis an die alte, defekte Klappe und faltet sie mit einem Ballon auseinander, wobei sie die alte ersetzt. Wie sie da befestigt wird, ist mir noch schleierhaft, aber das funktioniert wohl gut.
Das war auch der Haken heute: für die Möglichkeiten drei und vier braucht man einen erfahrenen Arzt, der diese Eingriffe beherrscht. Der betreffende Kollege war aber im Urlaub und wird erst nächste Woche wieder da sein. Die Frage war, ob wir morgen die Untersuchung durchführen sollten im Vertrauen darauf, daß es eine der beiden ersten wird. Blöd nur, wenn es doch drei oder vier wird, dann müßte ich nochmal kommen, wenn der Kollege wieder da ist. Die Terminvergabe im Vorfeld war also, gelinde gesagt, suboptimal.
Lange Rede, kurzer Sinn: wir einigten uns darauf, die Untersuchung auf nächste Woche zu verschieben. Dann ist der Klappenspezialist da, und wenn etwas gemacht werden sollte, dann ist er zur Stelle und kann seines Amtes walten. Wenn nicht (und ich hoffe noch immer, daß es dabei bleibt), dann hat er nichts zu tun, und alle sind happy. Wenn ich aber ganz ehrlich bin: die Terminverschiebung zeigt mir doch deutlich, daß die Möglichkeiten drei und vier durchaus real sind, und das macht mich ein kleinwenig nervös.
Für die Untersuchung mußte ich das Marcumar absetzen, was immer ein paar Tage braucht, bis sich der Gerinnungswert einpendelt. Jetzt muß ich eine ganze Woche überbrücken und bekam dafür von der Uniklinik Heparinspritzen spendiert. Die Stationsschwester gab sie mir mit großem Bedauern und dem Kommentar: Tausend Euro! Ab morgen muß ich mir dann jeden Morgen eine Spritze in den Bauch jagen. Aber ich beschwere mich nicht: durch die Terminverschiebung kann ich am Sonntag den Mainuferlauf mitlaufen!
Montag, 3. Oktober 2011
Köln: Mein dritter Marathon
Ich war sehr verunsichert nach dem Kardiologengespräch und wollte mir bis zur letzten Stunde vorbehalten, doch nicht zu starten. Innerlich war ich zwar entschlossen, aber ich hatte einen ziemlichen Bammel und wußte nicht, ob ich nicht doch einen Riesenfehler machte. Zuletzt ließ ich mich von der Vorfreude der Mitlaufenden begeistern, und meine Stimmung wurde besser. Ich war ja gut vorbereitet, hatte Carboloading bis zum Exzeß betrieben und war überhaupt gut drauf. Lediglich die Hitze machte mir Sorgen, denn schon am Samstag war es ohne Laufen ganz schön drückend.
Am Morgen trafen wir uns vor dem Lauf am Tanzbrunnen unweit des Startbereichs. Eine muntere Truppe, wie man sieht:
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| Der #twitterlauftreff: @Schliefkowitz, @bartlog, meine Wenigkeit, @pixxelschubser, @Monsterliesel, @Laufmeister, Martin und @Zickline |
Wir liefen langsam Richtung Startbereich, wobei wir uns verstreuten, denn jeder hatte einen Startblock zugewiesen bekommen, der nach sich nach einer nachweisbaren Marathonzeit richtete, bzw. für die Ersttäter einen weiteren. Es war sehr voll, und schon im Gedränge vor dem Start konnte man erahnen, daß es sehr heiß werden würde. Ich hatte einen Trinkrucksack mit, aber der Kopf brannte shon trotz meiner Mütze. Ich nahm mir vor, beim ersten Verpflegungsstand mir Wasser über den Kopf zu schütten, und das hielt ich dann so an nahezu jedem Stand. Das habe ich auch gebraucht.
Als es endlich losging, war es ein unangenehmes Gedränge. Ich hatte viel Mühe, mein Tempo zu halten, weil ständig Leute vor mir waren, die keine oder nur kleine Lücken freiließen, so daß ich einen ziemlichen Slalomlauf hinlegen mußte. Das Tempo, das muß ich gleich einräumen, war eindeutig zu hoch gewählt, und der Slalom forderte mir einiges an Kraft ab. Die ersten 10 Kilometer schafften wir in 53:25 Minuten, und bis dahin hatten wir recht viel Schatten gehabt, so daß es sich gut anfühlte. Danach kam schon mehr Sonne, die Hitze machte sich bemerkbar, und wir kamen bei der Halbmarathonmarke bei 1:55:42 vorbei. Es lief noch ganz gut, aber erstens war ich schon langsamer geworden und zweitens merkte ich, daß ich nicht würde beschleunigen können.
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| Bei km 19 sah ich noch recht frisch aus |
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| Live-Berichterstattung vom Feinsten: @bartlog hatte zwar Mühe beim Eintippen, aber er lud das Bild hoch! |
Die letzten 7 Kilometer wollte Heiko wie abgemacht beschleunigen, wir verabschiedeten uns kurz, und er marschierte los. Ich lief in dem Tempo weiter, bekam wieder Krämpfe, legte mehrere Gehpausen ein, aber es war noch nicht so, daß ich aufgeben mußte. Bei Kilometer 38 lief Nicola ein paar Meter neben mir und fragte mich recht besorgt, wie es mir ging, da muß ich wohl nicht besonders gut ausgesehen haben:
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| Hier werde ich gefragt, ob ich noch laufen will. Ich wollte! |
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| Ein glücklicher Finisher. Glücklich vor allem darüber, daß es vorbei war :) |
Die Analyse ist klar: für die Hitze konnte ich nichts, für das zu schnelle Anfangstempo schon. Ich habe mich eindeutig überschätzt. Aller Euphorie zum Trotz darf ich mich nicht überfordern und mein Leistungsvermögen realistischer einschätzen. Die Aufzeichnung durch den Forerunner zeigt auch klar, wie ich die Einbrüche hatte. Zusätzlich hatte ich versuchsweise eine Liveübertragung mit Endomondo gestartet, aber die Handybatterie hielt nur bis etwa zur Hälfte.
Nach einer erholsamen Nacht mit tiefem Schlaf und einem schönen, genauso erholsamen Tag mit Herumlungern am Main bin ich ziemlich gut wiederhergestellt. Alles in allem tut mir nichts weh, wenn ich den erlaufenen Wolf ausklammere. Wenn ich den nächsten Marathon ein bißchen cleverer angehe, werde ich das Glück auch während des Laufs erleben dürfen!
Eine Anmerkung: die Fotos hier habe ich schamlos von den jeweiligen Fotografen geklaut. Bitte um einen kleinen Hinweis, wenn jemand was dagegen hat, dann nehme ich sie sofort wieder offline!
Donnerstag, 29. September 2011
Da stehe ich nun, ich armer Tor...
Ich traf auf einen sehr sympathischen, kompetent wirkenden Arzt, der sich Zeit für mich nahm, der nachfragte, der zuhörte, der mir Dinge erklärte, wenn ich etwas nicht gleich verstand. Das Gespräch tat mir außerordentlich gut, denn ich fühlte mich nicht abgefertigt und wurde ernst genommen. Schon allein deshalb war der Arztbesuch ein Erfolg.
Die Beurteilung meines körperlichen Zustands aus kardiologischer Sicht war keine große Überraschung, Der gemessene Gradient an meiner Pulmonalklappe ist da, und das ist etwas, das man ernst nehmen und genau beobachten muß. Andererseits ist er, wenn die Klappenverengung nicht weiter fortschreitet, nicht bedrohlich, und ich muß nicht unmittelbar mit größeren Problemen rechnen. Das klang schon mal sehr positiv, war mir aber wie gesagt nicht neu, denn so oder so ähnlich hatten die Befunde der untersuchenden Ärzte geklungen - bis auf den einen, meinen Kardiologen, der mich im April so aufgescheucht hatte.
Der Arzt lieferte mir auch eine nachvollziehbare Erklärung für die Notwendigkeit der Katheteruntersuchung. Die Pulmonalklappe, um die es hier geht, ist im Ultraschall generell sehr schwer einzusehen, weil sie von außen betrachtet etwas versteckt liegt. Die Messungen sind also ungenau; man kann zwar erkennen, dass da etwas ist, man kann es aber nicht verläßlich bemessen. Dazu kommt, daß meine Trikuspidalklappe ein kleine Insuffizienz aufweist; auch die ist nicht neu, scheint sich aber jetzt verstärkt zu haben. Für sich genommen ist sie völlig unbedeutend, denn der Vorhof kann mit einer kleinen Klappenundichtigkeit mühelos umgehen, aber sie könnte ein Hinweis darauf sein, daß der Druck in der Kammer gestiegen ist, was wiederum ein weiteres Indiz für die verengte Pulmonalklappe wäre. Gewißheit könnte man nur durch die Katheteruntersuchung bekommen, und die sei dann sehr genau. Er beruhigte mich auch hinsichtlich des Risikos der Untersuchung: da das Rechtsherz betroffen sei, bei dem der herrschende Druck vergleichsweise niedrig ist, seien kaum Komplikationen zu erwarten: er sprach hier von einem halb-invasiven Verfahren.
Der Wermutstropfen war dann seine klare und unbedingte Absage an den Marathonlauf. Generell sollte ich mit einer Herzerkrankung, speziell mit dieser, keinen Marathon absolvieren. Als ich ihm sagte, daß ich schon zwei hinter mir hatte, war er schockiert. Keine belastenden Tätigkeiten, die man nicht regelmäßig ausübt, das sei seine goldene Regel, und auch wenn das im Gespräch ein wenig relativiert wurde, da ich regelmäßig trainiere, war seine Ansage klar und deutlich: nicht laufen.
Diesen Punkt haben wir ganz am Anfang besprochen, noch bevor er meinen Befund durchgelesen hatte. Die Empfehlung basierte nicht auf Erkenntnisse aus dem vorliegenden Bericht, sondern war Ausdruck seiner generelle Haltung dieser Art von Sport gegenüber. Das ist mir klar, und andere Ärzte würden darüber anders denken, wie ich ja an meinem Hausarzt und dem untersuchenden Arzt aus der Uniklinik gesesehen habe. Dennoch stecke ich in das Dilemma, daß ich diesen Arzt für sehr kompetent halte und menschlich mit ihm bestens auskomme, so daß ich seine Meinung in dem Punkt nicht einfach abtun kann.
Ich grüble die ganze Zeit, und momentan tendiere ich dazu, es doch zu tun: seinen guten Rat hier zu ignorieren und in Köln zu starten. Mir ist klar, daß ich ein Risiko begehe, aber das wußte ich schon vorher, und an der Faktenlage hat sich nichts geändert. Und doch ist mir die Leichtigkeit, die ich bis vor ein paar Tage noch hatte, ziemlich vergangen. Ich werde starten (wenn ich das tue), aber mit einem sehr angespannten Gefühl in der Magengegend.
Sonntag, 25. September 2011
Meine Marathonvorbereitung in Zahlen
Für meinen Marathon suchte ich mir einen Trainingsplan von Klemmbrett Karraß aus der Achim-Achilles-Webseite aus: Marathon unter 4 Stunden. Mittlerweile habe ich gelernt, daß es viele verschiedene Pläne gibt, mit jeweils unterschiedlichem Hintergrund und Philosophie, und daß sie mitunter ganz unterschiedlich ausfallen. Ich entschied mich für diesen aus rein pragmatischen Gründen: ich hatte schon mal damit gute Erfahrungen gemacht, er war kostenlos, und er schien mir durchführbar. Mein Gedanke war: Hauptsache ein Plan. Ich brauchte eine unabhängige Instanz, die mich auch dann zum Laufen motivierte, wenn ich keine Lust hatte. Hat funktioniert, und an dieser Stelle bedanke ich mich schon mal bei Jens Karraß für die geleistete Hilfe!
Die Zahlen: wenn ich am kommenden Sonnstag den Marathon laufe, werde ich 14 Wochen trainiert haben. Ja, der Plan ging nur 12 Wochen, aber aus einer Unsicherheit heraus begann ich zwei Wochen früher und hatte so eine kleine Verfügungsmasse, um mich an die strengen Regeln des Plans zu gewöhnen.
In dieser Zeit war ich 48 Mal laufen (bis zum Ende werden es 51 sein). Durchschnittlich viermal pro Woche, manchmal nur drei, gegen Ende auch fünf. Dabei verbrachte ich 66:36 Stunden auf den Beinen und legte 692 Kilometer zurück. Dabei verbrannte ich 53.924 kcal. Diese letzte Zahl ist nur ein Schätzwert, den die Sportuhr anhand der eingegebenen Parametern ausrechnet, aber in dieser Zeit habe ich 5 Kilo abgenommen. Wenn ich bis in den Januar zurückblicke, dann habe ich seitdem über 1.500 km zurückgelegt und etwa 10 Kilo abgenommen.
In dieser Zeit habe ich unterstützend ein paar Dinge getan, die ich sonst nicht tat: erstens, ich war zweimal wöchentlich im Fitnesstudio und habe an meiner Rücken- und Bauchmuskulatur gearbeitet. Zweitens habe ich wesentlich mehr gedehnt, und auch wenn ich immer noch steif wie ein Stock bin, bin ich wenigstens ein etwas flexiblerer Stock geworden :) Drittens habe ich das 100-Pushups-Programm einigermaßen durchgezogen (ich habe es nicht ganz geschafft, aber ich habe auch noch nicht aufgegeben!), ich stecke noch in der 5. Woche fest. Jedenfalls bin ich jetzt in der Lage, aus dem Stand 50 Liegestütz zu machen - so viele wie noch nie.
Viertens habe ich in den letzten Wochen eine strenge Low-Carb-Diät durchgezogen mit dem Ziel, das Carboloading vor dem Marathon noch besser zu unterstützen. Die Idee ist, sowenig Kohlenhydrate wie möglich zu sich zu nehmen, auch und gerade vor den langen Läufen. Dabei gewöhnt man den Körper daran, effektiver mit den Glykogenspeichern umzugehen. Wenn man dann vor dem Wettkampf diese auffüllt (auf die vielen Nudeln freue ich mich jetzt schon!), dann werden sie erstens noch voller, und zweitens kann der Organismus noch viel mehr Nutzen daraus ziehen. Es ist ein Versuch, und ich kann es natürlich nicht messen, aber ich bilde mir ein, beim Koberstädter Halbmarathon davon profitiert zu haben.
Stichwort Wettkämpfe: während dieser Vorbereitung habe ich meine Persönliche Bestzeit sowohl für die 10 Kilometer (von 50 auf 48 Minuten) als auch für den Halbmarathon (von 1:50 h auf 1:45, wobei hier die Strecke ein wenig kürzer war, so daß ich realistischerweise 1:46:30 angeben müßte). Die 5 km bin ich noch nicht gelaufen, der Marathon ist am Sonntag. Das Ziel, den Marathon unter 4 Stunden zu finishen, werde ich wohl ziemlich sicher erreichen. Jetzt will ich sehen, wie weit ich darunter komme, wobei ich in erster Linie heil und glücklich ankommen möchte.
Alles in allem bin ich gut vorbereitet, ich hatte auch Glück, während dieser Zeit nicht ernsthaft krankgeworden zu sein; auch habe ich mich nicht verletzt. Und auch wenn ich jetzt langsam ein bbißchen nervös werde, muß ich sagen: ich freue mich auf Sonntag!
Dienstag, 20. September 2011
Hü und Hott, und Hott und Hü, weils so schön ist...
Das war für mich mal wieder ein Dämpfer. Eine Katheteruntersuchung ist kein Spaß, sie ist eine ernste Angelegenheit, die schon für sich ein gewisses Risiko birgt. Ich habe nicht direkt Angst davor, ich hatte schon derer vier: die erste führte direkt zur Herzklappen-OP, ich durfte das Krankenhaus nicht mehr verlassen. Die Untersuchung selbst verlief reibungslos, und die Diagnose waar schnell gestellt (meine Aortenklappe war komplett verkalkt, so daß sie nur zu 20% ihrer ursprünglichen Größe verengt war), aber ein paar Stunden nach dem Eingriff kollabierte mein Kreislauf, als mir der Pfleger den Zugang an der Leiste entfernte und einen Druckverband anlegte. Ich erinnere mich an die Panik in seinen Augen, während er verschiedenes versuchte, um mich wieder aufzupäppeln, und an die plötzliche Ruhe meiner ansonsten sehr geschwätzigen Zimmergenossen. Die drei weiteren waren streng genommen keine Untersuchungen, sondern korrigierende Eingriffe, sogenannte Elektrophysiologische Untersuchungen, bei denen das Gewebe an der Herzwand durch Erhitzen verödet wird, um Herzryhthmusstörungen zu beseitigen. Diese drei waren sehr unangenehm, zum Teil ziemlich schmerzhaft; die längste dauerte über 5 Stunden, die letzte wurde nach etwa zwei Stunden ergebnislos abgebrochen.
Wie gesagt, es ist nicht so, daß ich Angst vor dem Katheter gehabt hätte. Respekt und eine gehörige Portion Unwille aber schon. Trotzdem ließ ich mich darauf ein, um ein klares Untersuchungsergebnis herbeizuführen. Ich machte also einen Termin für nächsten Freitag aus. Dafür brauchte ich noch eine Klinikeinweisung von meinem Hausarzt und bat dafür nochmal um ein Gespräch. Parallel dazu hatte meine Kollegin Daniela mir von anderen Untersuchungsmethoden erzählt (namentlich die MRT, die ich schon einmal hatte über mich ergehen lassen müssen), und mich dazu an einen fachkundigen Arzt verwiesen, der mich wiederum zu einem Kardiologen in Bad Homburg weiterbat. Den Kardiologen habe ich noch nicht gesprochen, ich bekam einen Termin erst für nächste Woche, aber das Gespräch mit meinem Hausarzt verlief doch sehr beruhigend. Er konnte aus den gemessenen Werten keine unmittelbare Notwendigkeit für einen Katheter ablesen und meinte, vielleicht sollte ich im nächsten halben Jahr darüber nachdenken, aber doch nicht jetzt und schon gar nicht eine Woche vor dem Marathon.
Auch er tat sich schwer, mir eine klare Empfehlung auszusprechen. Natürlich ist klar, daß ich nicht komplett gesund bin, und anscheinend möchte niemand als derjenige dastehen, der mir einen Marathonlauf empfohlen hat, wenn ich dabei zusammenbreche. Andererseits, so gab er mir zu verstehen, sei mein Zustand eben nicht dramatisch verschlechtert und allgemein gesehen auch nicht schlecht. Ich habe also den Termin für die Katheteruntersuchung abgesagt und werde mich am 27. nochmal mit dem Kardiologen besprechen - 5 Tage vor dem Lauf. Die Spannung steigt!









