Von der Herzoperation Silvester 2005 zum Marathon Oktober 2007

Dienstag, 6. Mai 2008

Mein zweiter Marathon

Ich war gut vorbereitet. Ich war fit. Ich hatte hart trainiert. Ich hätte es wissen müssen :(

Mein Knöchel hatte mir am 23. April einen bösen Streich gespielt. Ich war im Wald beim Laufen umgeknickt und hatte pausieren müssen. Die Zeit bis zum Marathon war knapp, und ich hatte Sorgen, ich könnte wegen des Knöchels gar nicht starten, obwohl ich mich so gut vorbereitet hatte. Nach der Pause blieb mir gerade Zeit für zwei kurze Trainingseinheiten, und ich beschloß zu starten, obwohl ich immer noch nicht hundertprozentig ausgeheilt war. Da spielte wohl auch etwas Wunschdenken eine Rolle.

Für den Marathon bin ich schon am Samstag nach Mainz gefahren. Ich traf dort auf Jörg, Kathryn und Martin, die ich aus dem Laufforum um die Splittergruppe aus dem Kilometerspiel kannte; dazu kam Marianne, die den Halbmarathon mitlaufen wollte. Es war ein netter Nachmittag und Abend mit Nudelnessen und "traditionellem" Abendessen bei Vincenzo in der Mainzer Innenstadt. Bei der Marathon-Mall ließ ich mich von Fachleuten aus dem Sanitätshaus Lammert beraten, die dort mit einem Stand vertreten waren. Stefan Benner, selbst Mitläufer, massierte mir das Gelenk, setzte mir einige Akupunkturpflaster und riet mit ernster Miene, nach dem Marathon einige Wochen Laufpause einzulegen. Ich sollte bandagiert laufen, aber die Bandagen waren nicht mehr vorrätig, also verabredeten wir uns für den nächsten Morgen.

Am Morgen waren wir schon einer weniger: Jörg hatte einen Virusinfekt bekommen und konnte die ganze Nacht nicht schlafen, so daß er gar nicht starten konnte. Dafür bekam ich von Kathryn seine Lauf-T-Shirts angeboten, ich sollte eins aussuchen, weil es doch ziemlich warm war und mein T-Shirt nicht ärmellos war. Ich suchte eins aus, Martin ein anderes, und so waren wir komplett ausgestattet und liefen zur Rheingoldhalle.

Schon bandagiert, fühlte sich mein Knöchel viel besser an. Ich hatte zwar immer noch leise Zweifel, aber die waren viel zu leise: ich wollte unbedingt laufen. Wir machten noch ein paar Bilder und gingen langsam Richtung Start. Um 9:30 ging es langsam los, und mit etwa 6 Minuten Verspätung setzten wir uns in Bewegung.

Ich lief die ersten 3 Kilometer mit Marianne in ihrem Tempo, dann verabschiedeten wir uns, ich lief dann etwas schneller, sie blieb zurück an einer Versorgungsstation. Mein Knöchel tat manchmal ein bißchen weh, aber ich konnte das durch eine veränderte Haltung gut ausgleichen. Ich passierte die 10 km bei 52 Minuten und war gut dabei; danach kam eine unangenehme kurze Strecke durch die Altstadt, die mit Kopfsteinpflaster bedeckt war - unangenehm für den Knöchel. Aber die war nicht zu lang, und schon ging es auf den langen Abschnitt am Rhein entlang. Hier hoffte ich Martin zu sehen, der mir entgegenkommen würde, konnte ihn aber nicht entdecken; nach dem Wendepunkt suchte ich auch vergebens nach Marianne. Nach etwa 19 Kilometern war die lange Gerade zu ende, und ich kam an der Stelle vorbei, bei der wir gestartet waren. Dann kam die Abzweigung der Halbmarathonläufer, die sollten nach rechts abbiegen, während die Marathonläufer geradeaus laufen sollten. Ich passierte den Halbmarathon nach 1:52 Stunden und war recht zufrieden mit mir.

Danach ging es über die Rheinbrücke nach Mainz-Kastel und Kostheim. Die Läufermenge war schon deutlich überschaubarer, und in Kostheim war auch das Publikum nicht mehr so zahlreich. Mein Knöchel tat schon weh, und im linken Oberschenkel zog es unangenehm, weil ich ihn durch die Schonhaltung etwas beanspruchte, aber es lief noch ganz gut. Ich hatte ein relativ konstantes Tempo von 5:20 min/km, es lief erstaunlich gut. Ich kam bei km 27,5 wieder über die Rheinbrücke, danach kam die Weiche für den 2/3-Marathon. Kilometer 30 passierte ich bei 2:44 Stunden, war also etwas langsamer geworden, aber immer noch ganz gut dabei. Vor den Schott-Werken war eine lange Durststrecke ohne Versorgungsstation, aber zum Glück gaben mir Zuschauer eine Flasche Wasser - die brauchte ich auch. An der Versorgungsstation bei Schott, etwa km 32, holte ich mir noch was zu trinken und eine halbe Banane. Als ich wieder anlief, bekam ich einen Krampf im linken Oberschenkel - jetzt rächte sich die Schonhaltung.

Ich ging ein paar Meter und lief ohne Schonhaltung weiter, aber da begann der Knöchel richtig an zu schmerzen. Ich änderte ein paarmal den Laufstil, aber das ergab entweder Schmerzen oder Krämpfe. In den nächsten 3 Kilometern mußte ich 4 oder 5 Gehpausen einlegen, beim letzten Mal mit gleichzeitigen Krämpfen im linken und rechten Oberschenkel, bis ich es einsah: ich mußte aufhören. Ich setzte mich an den Rand auf eine Bank und erklärte den Lauf für beendet. Ich rief Marianne im Ziel an, die Fotos machen wollte, um Bescheid zu sagen, ich telefonierte eine Weile rum und jammerte, aber da war nichts zu machen, ich war fertig.

Nach etwa 15 Minuten dachte ich, irgendwie müßte ich ins Ziel kommen, und gehen würde genauso weh tun wie laufen, also entschied ich mich doch, weiterzumachen: langsam und behutsam machte ich mich auf den Weg. Ich unterhielt mich mit einem Mainzer Läufer, der auch seinen zweiten Marathon lief; er war ganz schön fertig, lief aber tapfer weiter. Ich mußte drei- oder viermal krampfbedingte Gehpausen einlegen, aber da ich vom vielen Rumsitzen ganz frisch war, konnte ich ihn immer wieder einholen. Wir beschlossen, gemeinsam ins Ziel zu laufen, aber bei der Zielgerade wurden wir vom Publikum so nett angefeuert, daß ich doch nochmal ein bißchen Gas gab. Das Ziel erreichte ich nach 4:23:54 Minuten.

Gestern war ich ganz schön deprimiert, und mein Knöchel tat richtig weh. Er ist heute zwar immer noch geschwollen, ich kann aber wieder fest auftreten und humpel nicht mehr so beim Gehen. Trotzdem ärgere ich mich über mich: ich hätte es nicht übers Knie brechen sollen, ich hätte gar nicht erst starten dürfen. Jetzt droht eine längere Pause.

Kommentare:

Scarlett O'Hasi hat gesagt…

Och Mönsch José, das tut mir soooo leid. Das ist ja mal richtig fies. Immer wieder dieser vermaledeite Knöchel. Klar wolltest du den Marathon trotzdem mitlaufen, ich verstehe dich so, und klar war das absolut unvernünftig, das wissen wir auch. Aber das hilft dir jetzt alles nichts weiter. Ich kann dir nur sagen, dass ich mich gerade sehr gut in dich reinversetzen kann....

Ich wage mir ja gar nicht vorzustellen, was du für eine irre Zeit gelaufen wärst, wenn die Knöchelgeschichte nicht gewesen wäre. Meine HM-Bestzeit hast du zumindest mit den 1:52 schon geknackt, und das im Marathon! Bei einem Duell zwischen uns beiden hätte ich keine Chance gegen dich, ehrlich nicht! ;-)

Aber das hilft dir jetzt gerade alles nicht wirklich, deswegen: schone dich jetzt. Es muss halt leider sein. Und dann geht es frischen Mutes auf zu neuen Bestzeiten. Bei einem schönen Herbstmarathon z.B.?

Übrigens ist bei mir auch gerade Laufpause angesagt. Mich hat es beim Inliner-Fahren voll auf den Ar... gehauen, und jetzt hab ich eine saftige Prellung, die mir schon seit Tagen sauweh tut.
Ich kann dich verstehen!

Anja Ridlberg hat gesagt…

Ach, so ein Mist. Tja die Vernunft und das Laufen das passt nicht zusammen, ich weiß das, ich weiß das.

Ich wünsch Dir einfach nur rasche Genesung!

José hat gesagt…

Danke Euch beiden. Schön, daß Ihr nicht über meine Unvernunft schimpft, das könnte ich gerade nicht brauchen :)

Gute Besserung, Hase! Und Anja, viel Erfolg weiterhin!