Von der Herzoperation Silvester 2005 zum Marathon Oktober 2007

Freitag, 7. Mai 2010

In Buenos Aires

Nach zwei Tagen Buenos Aires komme ich mir ein bisschen vor wie ein Zeitreisender, zum Teil aber auch wie ein Reisender in eine voellig andere Welt. (Man verzeihe mir das Fehlen von Umlauten, ich habe mich noch nicht an die spanische Tastaturbelegung gewoehnt).

Zeitreise daher, weil ich staendig mit Dingen konfrontiert werde, die ich aus meiner Kindheit kenne und teilweise schon vergessen hatte: der Geruch der Blumen auf "meinem" Viertel, ein paar (wenige) Geschaefte, die noch uebriggeblieben sind: die Pastafabrik "La Praderita", bei der ich sonntags frische Ravioli holte, die Pizzeria "Ciervo Rojo" (Roter Hirsch), der Buchladen, bei dem ich mich mit Gebrauchtbuechern versorgte, der Tausch immer 2:1. Die tuckernden Taxis, die rasenden Busse, meine ebenso wenigen verbliebenen Nachbarn, die allesamt gealtert sind. Kleinigkeiten wie die Marken von Lebensmitteln, zum Teil verblueffend unveraendert, zum Teil komplett modernisiert - mit allerdings den gleichen Inhalten.

Dann wieder eine andere Welt. Hier scheint alles ein bisschen anders. Angefangen der Flug aus Brasilien: nach einer um Verstaendnis bittende Durchsage wird das Flugzeug mit irgendeiner Chemikalie desinfiziert. Ich habe nicht in Erfahrung bringen koennen, ob das alle Flugzeuge betrifft oder nur die aus Brasilien, dem Flugkapitaen war es aber wichtig, darauf hinzuweisen, dass dies auf Anordnung der argentinischen Behoerden stattfinde. Ein lustiges Bild: auf beiden Gaengen je eine Stewardess, die zwei Spruehflaschen in den Haenden hoch hielt und von vorne bis hinten durchlief.
Die Busse halten an bestimmten Stellen, aber man muss sie per Handzeichen dazu auffordern. Den Busticket loest man im Bus an einem Automaten, Muenzen sind Pflicht. Hat man keine, so darf man gleich wieder aussteigen - niemand hat Wechselgeld. Das einzige ruppige Erlebnis bisher, ansonsten sind alle unglaublich zuvorkommend und nett.

Was mir auch auffaellt: es ist alles ein bisschen heruntergekommen. Der Flughafenterminal sieht aus, als braeuchte er dringend eine Renovierung. Betrieben wird er von einer Firma "Argentina 2000", und das scheint auch die Jahreszahl der letzten Instandsetzung zu sein. Die Strassen, die Bahnen, die Beleuchtung, selbst im touristisch sehr frequentierten Stadtzentrum - alles hat schon mal bessere Zeiten gesehen. Und ueberall sind Gitter, Wachleute, Ueberwachungskameras. Ob jetzt soviel geklaut wird, wie behauptet wird, kann ich (noch?) nicht sagen, aber man ist ueberall darauf vorbereitet und hoellisch auf der Hut.

Jetzt habe ich 5 Pesos (1 Euro) verbraten, also melde ich mich ab. Weiter Berichte werden folgen!

Kommentare:

Kixka hat gesagt…

Das Flugzeug wurde desinfiziert, _während_ Ihr Passagiere es Euch auf den Sitzen bequem gemacht habt? Faszinierend.
#Sprühnebelchemieregen

Das liest sich sehr verlockend - ich hoffe, Du lässt Dich häufiger dazu hinreißen, 5 Pesos auszugeben :)

Blumenmond hat gesagt…

Danke für das Mitnehmen nach Argentinien. Das Besprühen von Personen und Flugzeug find ich ja auch mal sehr befremdlich. Das hat jeder mit sich machen lassen?

José hat gesagt…

Das _war_ befremdlich! Allerdings, was haette man dagegen tun sollen? Die Ankuendigung kam kurz vor dem Abflug, und kaum war sie ausgesprochen, schon liefen die Damen den Gang entlang...