Von der Herzoperation Silvester 2005 zum Marathon Oktober 2007

Sonntag, 8. Juli 2007

Mein zweiter Halbmarathon

Zur Überprüfung unserer Leistung im Mittagstraining hatte ich mit meinen beiden Kollegen ein paar Läufe im Kalender ausgemacht, an denen wir teilnehmen wollten. Der erste davon sollte der Stierstädter Kerbelauf werden, der einige Vorteile hat: er ist relativ flach, ist bei uns in der Nähe, und man kann zwischen einem 10-km-Lauf und einem Halbmarathon wählen.

Ich hatte mich schon lang auf die 10 km festgelegt, um mich nicht zu überanstrengen. Kollege Akki war es sowieso nicht recht, bei einem Halbmarathon anzutreten und dabei eventuell Letzter zu werden. Kollege Markus meinte aber, er wäre sich nicht sicher, ob er überhaupt antreten wollte, aber wenn, dann käme für ihn nur den Halbmarathon in Frage. Ich war in der letzten Zeit ganz gut drauf und dachte, ich kann es mal probieren - wenn Markus den Halbmarathon läuft, bin ich dabei.

Heute morgen war wieder ein wunderschöner Tag, frisch, sonnig, blauer Himmel, duftende Wiesen. Akki ist nicht angetreten, er war die letzten Tage krank, und Markus ist einfach nicht erschienen. Mir egal, ich beschloss, das Wagnis einzugehen und trug mich für die lange Strecke ein. Nach einer halben Stunde Bangen und Zweifeln ging der 10-km-Lauf los. Ich klatschte als Zuschauer mit, und es war also beschlossene Sache. Zehn Minuten später startete der Halbmarathon.

Es lief ganz gut, aber das Gelände machte mir ein bißchen angst. Start und Ziel waren auf dem Sportplatz, der etwas höher gelegen ist und auf den man über eine ziemlich steile Rampe muß, die als Krönung einer etwa 300 Meter langen Steigung aufgebaut ist. Runter war das natürlich kein Problem, aber ich dachte gleich mit Schreck an die letzten Meter.

Ich lief in der Menge mit und hatte nicht allzu hohe Ambitionen. Ich wollte ankommen und eventuell meine 2:10 Stunden, die ich mir für Mainz vorgenommen hatte, einhalten. Dafür brauchte ich einen Durchschnitts-Pace von etwa 6 Minuten/km. Ich hielt mich anfangs relativ konstant daran, bis ich irgendwann merkte, daß es doch etliche Steigungen gab, zwar nicht zu starke, aber ich kann lange Steigungen nicht ausstehen. Also mußte ich bei Gefälle oder Ebene etwas mehr Gas geben.

Die ersten 10 km passierte ich bei 54 Minuten, was eindeutig zu schnell war - das Tempo kann ich doch nicht halten. Zwar versuchte ich das, aber es gelang mir bei den immer wieder vorkommenden Steigungen eben nicht. Zwischendrin bekam ich Besuch von meinem ganz persönlichen Hammermann, dem Vorhofflimmern: rasender Puls, Kribbeln in Händen und Füßen, ein metallisches Gefühl beim Einatmen und Beine wie Blei, das Gefühl, als würde man in Honig laufen. Im Bewußtsein, daß ich da Warnsignale übertönte, ging ich diesmal nicht, sondern versuchte weiterzulaufen, was einigermaßen gelang - im Schneckentempo. An jeder Verpflegungsstation trank ich etwas Wasser und kippte mir einiges über den Kopf.

Trotzdem schaffte ich irgendwann auf einer kleinen Anhöhe Kilometer 20, wo ein freundlicher Helfer mir bedeutete, von hier an gehe es nur noch bergab, und ich sei schon da. Pustekuchen! Den Trick kannte ich. Zwar ging es wirklich bergab, aber an der letzten Einbiegung nur noch nach oben. Hier machten alle Läufer, die schon fertig waren, jedem Ankommenden Mut, sie feuerten mich an: gib alles! Geht nicht, dachte ich, ich hab schon alles gegeben, mehr hab ich nicht.

Am Ende der Rampe anekommen, wurde mein Name über die Lautsprecheranlage durchgesagt ("Josef" - also ich bitte euch!), und ich schaute wohl etwas verdutzt, weil mir eine Helferin noch zeigte, wo das Ziel sei - eine halbe Bahnrunde weiter. Ich war völlig erschöpft, aber irgendwie schaffte ich sogar eine minimale Temposteigerung und erreichte das Ziel bei 2:12:01 Stunden.

Ich bin ganz glücklich: es war beinahe eine Punktlandung, und ich bin nicht umgefallen. Was mir aber schon auffiel: es war insgesamt ein schneller Lauf. Mit meinem Ergebnis bin ich auf Platz 174 von 186 Läufern, vorletzter meiner Altersgruppe - und mit meiner Mainzer Zeit wäre ich mit Abstand Letzter geworden!

Kommentare:

Uschi M. hat gesagt…

Hallo Josef *rofl*,

deine Kollegen sind doch echte Luschen ;-) Aber du, du bist echt Spitze! Herzlichen Glückwunsch! Du arbeitest dich stetig und systematisch an Frankfurt ran. Ich finde, du machst das sehr gut.

Neidlose Grüße
Uschi

Scarlett O'Hasi hat gesagt…

Wow, José. Respekt. Wie du dich durchbeißt - super.
Paß auf dich auf, ja ? :o)