Von der Herzoperation Silvester 2005 zum Marathon Oktober 2007

Sonntag, 26. August 2007

Alle guten Dinge...

...sind drei, sagt man. Und so bin ich heute in Egelsbach angetreten, meinen 3. Halbmarathon zu laufen. Aber irgendwas stimmt mit der Volksweisheit nicht, denn meine beiden Kollegen waren mal wieder nicht dabei.

Ich war ganz gut vorbereitet, hatte mich ausreichend ausgeruht und gestern bei einer Feundin Extreme Carbo Loading betrieben (sie hatte lecker Spaghetti gekocht). Heute morgen bin ich recht früh aufgestanden, eigentlich zu früh, denn der Start war für 10:00 Uhr angesetzt, aber ich konnte eh nicht schlafen. Ich packte mein Equipment zusammen, nahm meine Medikamente ein, aß noch eine Banane und fuhr nach Egelsbach.

Das Wetter hat sich mittlerweile eingespielt: bei Halbmarathons, bei denen ich mitlaufe, ist es sonnig und heiß. Ich holte meine Startunterlagen, schwätzte noch mit einigen routinierten Läufern und trank noch einen Kaffee. Dabei traf ich einen ehemaligen Kollegen von mir, Heiko, der mitlaufen wollte. Leider verloren wir uns dann aus den Augen.

Die Stimmung war sehr ausgelassen, es waren viele Läuferinnen und läufer da. Ich machte eine verstörende Entdeckung: es gab wirklich tolle Laufkleidung für Damen, aber irgendwie gefielen mir die begleitenden, nicht mitlaufenden Mädels besser. Intensiver Ausdauersport scheint sich doch negativ auf die weibliche Figur auszuwirken...

Kurz vor 10 begab ich mich in Richtung Start und stellte mich in der Nähe des Läufers mit der Zielvorgabe 1:50. Die war für mich unerreichbar, das war mir klar, aber ich dachte, ich könnte mal schauen, wie lange ich ihm hinterherlaufen konnte. Nach den obligatorischen Worten des Bürgermeisters, die man kaum hören konnte, weil sie etwas genuschelt daherkamen, ging der Startschuß los, und ich war im Rennen.

Es lief sehr gut. Der Weg führte über asphaltierte Wege durch den Ort, dann über eine Brücke über die Autobahn in den Wald, und ab da war das ein ordentlicher Schotterwaldweg. Hier und da gab es Unebenheiten, die meinem Knöchel überhaupt nicht gefielen, aber ich konnte bis zur ersten Verpflegungsstelle bei km 5 gut mit dem 1:50er-Mann mithalten.

Irgendwann wurde es mir doch zu schnell, zu heiß, und ich wurde langsamer. Der Forerunner verlor im Wald seine Satelliten, so daß ich nach Gefühl laufen mußte - und das war schlecht. Die zweite Verpflegungsstelle kam, und es wurde steiler... irgendwann hörte ich, daß jemand sagte, der Höhepunkt sei bei km 11, dann gehe es wieder bergab. Das konnte mir nur gefallen, und tatsächlich, so kam es. Ich konnte sogar etwas Tempo gutmachen, bis das Gefälle wieder vorbei war; da merkte ich, daß es mir gar nicht so gut ging: meine Wangen hatten leichte Lähmungserscheinungen, die Finger kribbelten, ich konnte kaum geradeaus schauen, geschweige den laufen. Gut, daß da wieder eine Verpflegungsstelle kam: ich machte eine Pause, pfiff mir drei Isogetränke rein und kippte mir ein paar Wasserbecher über den Kopf. Das half.

Ich lief weiter, lächelte am Rotkreuzwagen die Helfer an, die die vorbeiziehenden Läufer scharf musterten, und nahm mir vor, ab sofort nicht mehr auf die Uhr zu schauen. Meinem Knöchel ging es nicht so gut, mir insgesamt auch nicht unbedingt, und ich sollte mir einfach nur das Ankommen als neues Ziel setzen. Ich verlegte mich aufs People Watching.

Ein Kollege hatte mir mal seine Strategie bei solchen Läufen erklärt: er suchte sich einen schönen Hintern aus und lief ihm einfach hinterher. Mein Problem war nur: die schönen Hintern waren zu schnell für mich, und die, bei denen ich hinterher kam, lohnten sich dafür nicht. Heute stellte ich fest, daß ich ein bißchen fitter geworden bin; jedenfalls gab es da tatsächlich eine sehr hübsche Rothaarige mit enger Radlerhose und hellblauem Shirt, die mich zum Mitlaufen animierte. Irgendwann wurde sie mir doch zu schnell, aber ich muß sie doch über 4 oder 5 Kilometer verfolgt haben. Danke, Silke :)

An der letzten Verpflegungsstelle machte ich gar keinen Stop. Mein Bauch gluckerte noch angenehm von der letzten, und ich fühlte mich beschwingt und leicht und hatte plötzlich genug Kraft, um loszusprinten. Ich lief und lief, als wären die letzten 18 km nicht gewesen, der Forerunner zeigte eine Schrittgeschwindigkeit von 3:40 km/min, und ich überholte Läufer über Läufer. Mir ging es richtig prima, aber ich hatte mich verschätzt: etwa ein halber Kilometer vor dem Ziel bekam ich einen fiesen Wadenkrampf, den ich erst mal am Wegesrand strecken mußte. Danach war der Schwung weg, ich konnte zwar noch laufen, aber nicht mehr in dem Tempo. Schon im Stadion wurde ich noch von einer Läuferin überholt, die es wohl genauso gepackt hatte wie mich ein paar Minuten zuvor; wir scherzten noch darüber, die letzten Sekunden rauszuholen, aber ich hatte nicht die Kraft, da mitzuziehen. Nach 2:05:34 kam ich ins Ziel.

Insgesamt war das eine tolle Erfahrung: ich verbesserte meine Zeit um 7 Minuten, hatte dabei jede Menge Spaß und, viel wichtiger: ich hatte während des Laufs kein Herzrasen!

Kommentare:

Scarlett O'Hasi hat gesagt…

Ich freu mich, dass du trotz der Schwierigkeiten, die du hattest, das Positive herauspicken und dich darüber freuen kannst.
Super Leistung, herzlichen Glückwunsch :o)

Bempi hat gesagt…

Gratulation! Finde ich super, wie du dran bleibst... Ich hoffe, dass dir das Laufen weiterhin Spaß macht und - vor allem - auch gut tut. Mir wird’s schon Müde allein vom Lesen ;-)

Schöne Grüße aus Hamburg, Bempi

José hat gesagt…

@Hasi: Probleme? Welche Probleme? :)

@Bempi: Jaja, das tut schon gut. Vielleicht solltest du auch mal damit anfangen :)

Anja Ridlberg hat gesagt…

José, Du bist echt der Knaller. Nachdem Du mir glaubhaft vermittelt hast, dass Du weißt, was Du da tust, kann ich nur staunen. Es kribbelt hier, geradeaus schauen geht auch nicht... aber laufen wir doch mal nen Halbmarathon in 2Sdt. zu Ende... tsss...

José hat gesagt…

Ach, Anja! Weißt Du, das war so: was ich hatte, war ein ganz gewöhnlicher Hitzschlag und hatte nichts mit meinem Herzen zu tun. Die Abkühlung hat ja geholfen, und danach war ich soweit wiederhergestellt, daß ich mit Lust und guter Laune weiterlaufen konnte.