Von der Herzoperation Silvester 2005 zum Marathon Oktober 2007

Montag, 7. Mai 2007

Halbzeit

Das wäre also geschafft: gestern bin ich in Mainz den Halbmarathon gelaufen. Ein tolles Erlebnis!

Wir hatten ein unglaublich schönes Sommerwetter, und die Stimmung war fröhlich und ausgelassen. Es gab ein vielfältiges Rahmenprogramm, da waren Zuschauer in Massen, und auch die Teilnehmer waren zum Teil phantasievoll be- und verkleidet. Außerdem gab es mehrere verschiedene Kategorien: die Handbiker mit ihren nach Hi-Tech aussehenden Räder, die "normalen" Halb-, Zweidrittel- und Ganzmarathonis, und jede Menge Kinder in den Schülerklassen.
Am Abend zuvor hatte ich einige Mitläuferinnen und Mitläufer (sehr nette Leute übrigens!) aus dem Kilometerspiel kennengelernt und mich mit Kohlenhydraten in Form von Nudeln vollgepumpt.

Gegen 9:10 bin ich in die Startaufstellung und erwischte einen Platz, der nicht allzu weit hinten lag. Dann hieß es warten, es wurde langsam voller, die Menschen ungeduldiger, die Spannung stieg. Kurz vor dem Start bekam ich noch eine SMS von meinem Bruder aus Hamburg, dann ging es los!
Der Anfang war ganz entspannt, wir liefen durch die Innenstadt, was uns viel Schatten gab - das war auch nötig, denn es wurde wärmer, und ich schwitze ganz schön. Am Straßenrand war die Hölle los, viele viele Zuschauer, die den Läufern Mut machten und anfeuerten, was das Zeug hielt. Ich hielt ein 6-Minuten-Tempo bei Pulsen um die 148, was wunderbar klappte und keine Probleme machte. Die 10-km-Marke passierte ich genau bei 60 Minuten. Dann kamen wir am Dom vorbei, und die Strecke führte aus der Innenstadt in Richtung Süden.

Irgendwann wurde es doch beschwerlich: es war sonnig, vor mir eine weite Strecke geradeaus, voller Menschen bis das Auge reichte. Auf der Gegenfahrbahn kamen mir schon die Läufer entgegen, die den Wendepunkt schon erreicht hatten. Am Horizont sah ich eine Brücke mit vielen Zuschauern drauf - das würde der Wendepunkt sein, hoffte ich, aber als ich die Brücke passierte, ging es da immer noch geradeaus. Und kein Ende in Sicht. Und meine Beine fühlten sich an wie Blei.

Aus einem Lautsprecher kam Gute-Laune-Musik, "Ich will Spaß, ich geb Gas" von Markus, ich mußte lachen und gab wirklich ein bißchen Gas. Aber gleich darauf mußte ich mich bremsen: wieder Herzrasen, Puls auf 240 - ich mußte gehen. Ich ging eine Weile, bis mein Puls auf nomalere Werte kam, bei 140 lief ich dann weiter. Die Mimik wiederholte sich drei- oder viermal: ich fühlte die Beine schwer, die Uhr zeigte Fantasiewerte, ich mußte gehen. Immerhin schaffte ich irgendwann die Wendekehre und hatte dann noch 3,5 km zu laufen. Ich rechnete aus, daß ich es bei meinem anfänglichen Tempo die 2:10 Stunden ganz gut hinkriegen könnte - aber mein Tempo war jetzt weit davon entfernt. Die Zeit verging, die Strecke wurde nicht kürzer, meine Beine wollten nicht, ich auch nicht... bei km 20 lag dann ein Mann am Straßenrand und wurde von Sanitätern versorgt. Mir tat zwar alles weh, aber mir war schon klar, daß ich noch laufen konnte.

Auf der Zielgerade wurden die Zuschauer mehr, sie feuerten auch alle Läufer an, und die Stimmung wurde besser. Ich probierte eine kleine Temposteigerung, und siehe da: es klappte wunderbar, und es brachte sogar Entlastung, weil ich dann wohl andere Muskeln anspannen mußte als die, die jetzt völlig fertig nach dem Ende riefen. Ja, und tatsächlich: nur noch 100 Meter, 50, und da war das Ziel. Geschafft!

Mit den erreichten 2:25 h bin ich absolut zufrieden: zwar war das langsamer, als ich gedacht hätte, und ich bin auch nicht den ganzen Marathon gelaufen, wie ich mir das ursprünglich als Ziel gesetzt hatte. Aber auch ein halber ist eine Leistung!

Was ich aber dabei gelernt habe: für den ganzen ist es noch ein weiter Weg, da muß ich noch viel tun. Als Allererstes muß ich jetzt unbedingt abspecken; ich denke, mit 5 Kilo weniger hätte das Ganze viel mehr Spaß gemacht!

Kommentare:

Uschi M. hat gesagt…

In Gedanken bin ich jetzt die Strecke nochmal mit dir gelaufen. Ja ja, diese lange Gerade, auf der einem die Schnelleren entgegen kommen und auf der es bis zum Wendepunkt auch noch leicht bergauf geht, habe ich auch noch in sehr lebendiger Erinnerung. Damals war es zwar nicht so warm, aber dort schien die Sonne auch gnadenlos...
Ich finde, du hast dein Debut gut gemacht, auch wenn es nicht die erhoffte Zeit war. Auf jeden Fall haste nun mal 'nen Pflock eingeschlagen.

José hat gesagt…

Hehe... ich habe gestern Deinen Bericht aus dem Jahr 2005 gelesen. Lustig - wir haben fast die gleiche Zeit erreicht :)

Pflock schön und gut, jetzt hab ich aber Blut geleckt. Heute aufe ich nicht, aber demnächst geht es weiter!

MarathonMaja hat gesagt…

ich muss schon laut sagen: Hut ab! :-) Bei der Hitze hab ich mitgezittert (hehe) und um deine Gesundheit gebangt! Zumal immer wieder tatütata los fuhr! Hab mich gefreut wie ein Kind, als ich dich ins Ziel rennen sah :-)) Yeah! An dem Tag warst du DER Star! :-)) Viele Krüße!