Von der Herzoperation Silvester 2005 zum Marathon Oktober 2007

Sonntag, 16. März 2008

Winterstein, die zweite - diesmal richtig!


Der Winterstein-Lauf war meine erste "richtige" Wettkampfveranstaltung. Eigentlich die zweite, da ich zuvor auch beim "Lauf für mehr Zeit" mitgemacht hatte, aber der zählte für mich aus verschiedenen Gründen nicht wirklich dazu. Der Winterstein war für mich schon eine Herausforderung gewesen: 10 km, bergig, kalt und regnerisch. Das Ergebnis war damals nicht besonders gut gewesen.

Heute war ich aber wesentlich besser vorbereitet. Mit über 50 Wochenkilometern durchgehend seit Anfang Januar, mit mehereren Trainings über 20 km und mehr, dazu mit ausgiebigen Tempoeinheiten auf der Köpperner 7,8-km-Kurzstrecke war ich fit genug, um ohne Angst auch den längeren Lauf mitzumachen. Ich hatte mich also für den 30-km-Lauf angemeldet; zwar hatte ich Anfang des Jahres überschlagen, daß ich da ganz gut bedient wäre, wenn ich 3 Stunden für die Strecke brauchte, aber nach den letzten Wochen war ich überzeugt, daß ich ein Tempodurchschnitt von 5:30 min/km durchgängig halten könnte - also 2:45 Stunden für die Strecke.

Die letzten paar Tage hatte mich ein ziemlich übler Schnupfen gepackt, so daß ich noch gestern unschlüssig war, ob ich starten sollte. Heute morgen schien aber die Sonne, das Wetter war warm, die Vögel zwitscherten fröhlich und meine Nase war endlich etwas freier. Ich machte mich also auf den Weg nach Friedberg und fand einen Parkplatz genau an der gleichen Stelle wie letztes Jahr. Ich bekam meine Startnummer (228) und wärmte mich draußen ein bißchen auf. Das Wetter hatte sich mittlerweile sehr zum Schlechten verändert: es regnete, es wurde kälter, und ein ziemlich starker Wind kam auf.

Das waren aber auch die einzigen Wiederholungen zum letzten Jahr. Ich traf noch zwei Eltern aus der Schule meiner Kinder, die ich schon bei anderen Veranstaltungen getroffen hatte, dann ging es auch gleich los. Pünktlich um 9:30 starteten wir. Wie immer war am Anfang ein dichtes Gedränge, das sich aber nach und nach auflöste -relativ spät, denn es gab auf dem Weg eine Baustelle, die den Weg in eine Schotterpiste verwandelte. Auf dem Hinweg nicht so schlimm, war das auf dem Rückweg sehr unangenehm.

Ich hatte Markus' Forerunner dabei, der anfangs auch brav mitmachte, später aber im Wald und bei der dichten Bewölkung seine Satelliten verlor. Er zeigte mir auch nichts, was ich nicht so schon wußte: mein Tempo war sehr unterschiedlich, auf geraden Strecken und bei leichtem Anstieg, vor allem aber bei leichtem Gefälle war ich ziemlich schnell mit etwa 4:38 min/km, während ich bei Steigungen rapide an Tempo verlor: 6:30 und mehr waren keine Seltenheit. Es war aber auch verdammt steil, damit hatte ich nicht gerechnet. Der Lauf heißt zwar "rund um den Winterstein", was irgendwie impliziert, daß man da nicht ganz hoch läuft, aber es fehlte nicht allzuviel für die Spitze. Ab Kilometer 11 bis etwa Kilometer 16 ging es nur bergauf, mal steiler, mal weniger, dann kam ein kurzes Gefälle, und dann ging es wieder bergauf. Bei km 21 war der höchste Punkt erreicht, was sehr angenehm war, aber auch tückisch, denn man konnte sich nicht darauf verlassen; zwischendrin kamen doch ein paar Steigungen.

Ich hatte die ganze Zeit die Uhr im Blick, wobei ich meine Pulswerte einfach ignorierte, da bei diesem Auf- und Ab keine vernünftige Steuerung möglich war. Mir ging es gut, nur einmal spürte ich einen Stich in der Brustgegend, der aber einzeln auftrat und schnell wieder vorbei war. Die Beine machten mir mehr Probleme; ich versuchte ständig, im Kopf die Zeit auszurechnen und war schnell davon überzeugt, daß es mit der angepeilten Zeit klappen könnte. An den Verpflegungsstellen tankte ich Flüssigkeit (später zählte ich zusammen: über 2 Liter Wasser, Tee und Apfelschorle habe ich getrunken, dabei trotzdem 0,6 Kilo gelassen). Gegen Ende, in Ockstadt, verwirrte mich die Kilometermarkierung: ich dachte, ich müßte noch 3 Kilometer laufen und würde die angestrebte Zeit nicht erreichen, dabei waren es nur noch zwei.

Die letzten zwei bis drei Kilometer im Flachen waren schon eine Überwindung, vor allem der Weg durch die Baustelle, wo ich ständig aufpassen mußte, nicht umzuknicken, war kein Spaß. Aber am Ende der langen Strecke konnte ich schon die offizielle Zeit sehen, und als ich sah, daß sie 2:44 zeigte, gab ich doch noch ein bißchen Gas. Ich habe es geschafft, ich weiß die Zeit nicht auf die Sekunde genau (ich warte noch auf die Ergebnisliste), aber die Uhr hatte noch nicht die 2:45 erreicht, als ich die Ziellinie passierte.

Hinterher trank ich Unmengen warmen, gesüßten Tee und holte mir ein wohlverdientes Stück Kuchen. Ich wollte noch duschen, aber von anderen Läufern hieß es, daß die Duschen kalt waren - darauf hatte ich nun wirklich keine Lust. Ich fuhr erschöpft, aber glücklich in verschwitzten Klamotten nach Hause.

P.S.: Mittlerweile ist die offizielle Ergebnisliste online. Ich bin also tatsächlich in 2:44:55 ins Ziel gekommen :)

Ich habe noch das Höhenprofil aufgetrieben, da klopfe ich mir nochmal auf die Schulter. Wäre ich vielleicht anders gelaufen, hätte ich es vorher gesehen? Ich weiß es nicht...

Kommentare:

Anja Ridlberg hat gesagt…

Dann mal herzlichen Glückwunsch. Mittlerweile hab ich ja gelernt, dass Du weißt, was Du tust;-)

Du schrubbst ja wirklich schon ordentlich Kilometer ab in diesem Jahr.

Scarlett O'Hasi hat gesagt…

Mensch José, du wirst ja immer schneller, das ist ja super!
Wir sollten mal zusammen laufen, wir zwei. Das könnte einigermaßen gut passen, oder? ;-)
Herzlichen Glückwunsch, das ist stark!

José hat gesagt…

Danke sehr, Ihr beiden :)

@Anja: ja, ich weiß es genau :)

@Hasi: ich glaube, noch bin ich nicht auf Deinem Niveau, aber gib mir noch ein halbes Jahr, dann zeige ich Dir die Hacken :)

Scarlett O'Hasi hat gesagt…

Machst du Witze, José??
Diese 30 km, die du da gelaufen bist, hätte ich NIE in dieser sagenhaften Zeit geschafft, ehrlich nicht.
Du hast mich längst überholt! :o)

José hat gesagt…

Keine Witze. Deine Wochenleistung erreiche ich noch lange nicht, und das, was Dein Vic-Training mit Dir anstellt, würde ich keine Woche lang durchhalten. Das wird sich auch sicher in den WK-Zeiten niederschlagen, da machen wir uns nichts vor!